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Man braucht weder mit allen Ansichten, noch allen Forderungen, noch der Form dieses Buches immer unbedingt übereinzustimmen und kann es trotzdem als eines der wesentlichsten unter den letzten Veröffentlichungen auf pädagogischem Gebiete ansehen. Es ist J. J. Rousseau gewidmet, „dem großen Beweger des Abendlandes” und wendet sich an Eltern, Erzieher und Ärzte. Es sollte auch wirklich kein Erzieher und Arzt versäumen, das Werk zu lesen und die reichen Anregungen durchzuarbeiten.
Wittels spricht lebendig, oft mitreißend über die verschiedenen Probleme, die Entwicklung und Erziehung des Kindes mit sich bringen. Er kritisiert schonungslos die bisher gültigen Erziehungsmethoden, die aus den falschen Voraussetzungen entstanden, mit denen man an das Kind heran ging.
Die ersten Kapitel des Buches handeln von dem inneren Wachsen des Kindes; von seiner Triebhaftigkeit, den Kinderlügen, dem Begreifen des eigenen Ich, dem Zweifel, dem Forschungstrieb und schließlich dem Verfallensein in Schuld und Strafe. Der zweite Teil spricht von der Stellung des Kindes zu seiner Umwelt, vor allem zu den Eltern. In diesem Teil bespricht Wittels auch die psychischen Bedingungen, unter denen Waisen, Stiefkinder, uneheliche Kinder und die Kinder geschiedener Eltern heranwachsen. Im letzten Kapitel beschäftigt Wittels sich dann mit der alten und der neuen Schule, mit scharfer Kritik an der alten und viel Hoffnung auf die neue, vor allem die Gemeinschaftsschule.
Es ist das große Verdienst dieses Buches, Probleme und Fehler mit schonungsloser Schärfe aufzudecken. Ob die neuen Wege, die Wittels weist, für alle gangbar und die richtigen sind, wird sich erst erweisen müssen.
Lizi Bonwitt-Hepner