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Wenn man sich über die seelische Struktur des Verwahrlosten unterrichten will, hat man wohl den Eindruck, daß die bisherige Psychologie ihr Augenmerk hauptsächlich auf die Symptome der Dissozialität richtete, ohne an ihre Herkunft aus den geheimen Hintergründen zu denken, die den menschlichen Charakter gestalten. Das Verständnis für die Kräfte des unbewußten Lebens und ihre Wirksamkeit uns nahegebracht zu haben, ist das Verdienst Freuds. Auf seinen Ermittlungen baut das Buch von August Aichhorn auf, betitelt: „Verwahrloste Jugend”. Dies Buch soll uns bei unseren Erörterungen hier helfen.
Es ist in einer kürzeren Arbeit natürlich nicht möglich, all die feinen Verzweigungen und mannigfachen Ursachen der Verwahrlosung im einzelnen zu untersuchen. Ich wähle zwei Typen aus, die mir besonders nahegetreten sind, und mit denen man ohne tiefenpsychologische Kenntnis wohl nur schwer etwas hätte anfangen können, nämlich: Die Verwahrlosung, entstanden 1) durch Mangel an Realitätsfähigkeit, 2) durch Mangel an Gewissen. Dabei weiß ich wohl, daß diese Typen selten oder nie rein auftreten.