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Das Problem der Beziehungen zwischen Psychoanalyse und Soziologie, über das ich im Rahmen der Kurse dieses Instituts zu sprechen haben werde, hat zwei Seiten. Die eine ist die Anwendung der Psychoanalyse auf die Soziologie, die andere diejenige der Soziologie auf die Psychoanalyse. Es ist natürlich nicht möglich, in einigen Minuten auch nur die Fragestellungen und Themen aufzuzählen, die sich von beiden Seiten her ergeben. Ich will deshalb nur versuchen, einige grundsätzliche Bemerkungen zu machen über die Prinzipien, die uns für die wissenschaftliche Bearbeitung psychoanalytisch-soziologischer Probleme Geltung zu haben scheinen.
Die Anwendung der Psychoanalyse auf die Soziologie muß sich gewiß vor dem Fehler hüten, da psychoanalytische Antworten geben zu wollen, wo ökonomische, technische, politische Tatsachen die wirkliche und ausreichende Erklärung soziologischer Fragen geben. Andererseits muß der Psychoanalytiker darauf hinweisen, daß der Gegenstand der Soziologie, die Gesellschaft, in Wirklichkeit aus einzelnen Menschen besteht, und daß diese Menschen, und nicht eine abstrakte Gesellschaft als solche, es sind, deren Handeln, Denken und Fühlen Gegenstand soziologischer Forschung ist. Diese Menschen haben nicht eine „Individualseele”, die dann funktioniert, wenn der Mensch als Individuum agiert, und die Objekt der Psychoanalyse wäre, und daneben eine davon separate „Massenseele” mit allerhand vagen Gemeinschaftsgefühlen, Solidaritätsgefühlen, Masseninstinkten usw., die in Aktion tritt, wenn der Mensch als Massenteil auftritt, und wenn der Soziologe sich einige Verlegenheitsbegriffe für ihm unbekannte psychoanalytische Tatsachen schafft. Diese zwei Seelen sind aber nicht in des Menschen Brust, sondern nur eine, in der die gleichen Mechanismen und Gesetze gelten, ob der Mensch als Individuum auftritt oder die Menschen als Gesellschaft, Klasse, Gemeinschaft oder wie sonst. Das was die Psychoanalyse der Soziologie zu bringen hat, ist die — wenn auch noch unvollkommene