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Wir alle werden aus unserer Kindheit jene Art von Spiel kennen, das sich mitunter Kinder beim Gehen auf dem Bürgersteig ausdenken, und das darin besteht, gewisse „Aufgaben” zu erfüllen, wie etwa die, auf dem Rinnstein gehen und nur bei jedem zehnten Schritt auf den Fahrdamm treten können oder müssen. Oder etwa, über die breiten Platten, die vielfach die Bürgersteige der Großstädte bedecken, so gehen, daß der Fuß immer auf die Mitte der Platte kommt. Das Treten auf die Verbindungslinie zweier Platten ist dann „verboten”; oder dasselbe Spiel umgekehrt und Ähnliches mehr in vielfachen Variationen.
Der psychoanalytisch Geschulte weiß, daß es sich hier zumeist um kleine Zwangshandlungen handelt. Angst vor „Fehltritten”, unbewußte Lüsternheit nach „verbotenen Dingen” erzeugt mitunter jene Abreaktion im Spiel, wo eine „versehentliche” Übertretung der Spielregel eine ebenso harmlose Abwechslung ist, wie die Ahndung der Übertretung in um so strengerer Befolgung der Aufgabe.
Ich möchte nun heute einen Fall aus meiner Praxis mitteilen, bei dem die Auflösung einer solchen Zwangshandlung in der Analyse eines Erwachsenen ein ebenso überraschendes wie einleuchtendes Resultat zeitigte. Der betreffende Analysand, ein namhafter Mathematiker und Zahlentheoretiker, hatte die von ihm als professorale Marotte angesprochene Gewohnheit, in einer Weise auf den Bürgersteigen zu gehen, die genau der Art der oben beschriebenen Kinderspiele entsprach und auch von einem solchen sich herleitete. Eine Zwangshandlung aus der Kinderzeit hatte sich also bis ins Mannesalter erhalten. Das Auffallende war aber, daß die Spielregel eine ungewöhnlich komplizierte, ja geradezu mathematisch anmutende war. Vorschrift war, im allgemeinen in die Mitte der Platten zu treten. Von den Verbindungslinien der Platten waren aber nur ganz bestimmte „verboten”, andere zu betreten war erlaubt. Die bestimmten „verbotenen Linien” waren nun in einem zyklischen System angeordnet, und zwar dergestalt, daß, wenn man sich die reg