You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ein 15½ jähriger junger Mann wurde mir von seiner Mutter in psychoanalytische Behandlung gebracht.
Er kommt aus einer Stadt in der Levante, ist jedoch nicht Staatsangehöriger jenes Staates, wo er aufgewachsen ist. Mit etwa sechs Jahren hat er ein neues Vaterland erhalten, indem seine eigentliche Heimat von einem der Zentralstaaten losgelöst und einem anderen Staate zugeteilt wurde, als der Weltkrieg beendigt war.
Der Junge hat nur noch die Mutter, der Vater war ein sehr rechtlich denkender Kaufmann und starb, als der Analysand, sein ältester Sohn, sechs Jahre alt war.
Die Lügenhaftigkeit macht der Mutter darum Sorgen, weil der Sohn später im Geschäft seines Vaters und seiner Verwandten mitbeteiligt werden soll.
Die Lügen bestanden in einer großangelegten, romanhaften Dichtung, in der das neue Vaterland und seine Institutionen keine geringe Rolle spielten. Sie füllten den ersten Teil der Analyse aus. Der junge Mann redete wie ein Buch, oft artig, mit südländischer Eleganz, geistreich gelegentlich und dann wieder mehr kindisch und fast läppisch.
Es wurde dem Analysanden nie verraten, daß ihm der Analytiker nicht Glauben schenke. Es war bald einmal ersichtlich, daß die Lügen dazu dienten, die Herkunft des Jünglings zu erhöhen, ihn als überaus mächtig, reich, als im täglichen Umgang mit Würdenträgern und Prinzen erscheinen zu lassen. Er wollte ein Mensch sein, dem eine wichtige und wirkungsvolle, wenn nicht geradezu weltbewegende Zukunft wartete, und der erst nur einige Jahre älter werden mußte, um sich auswirken zu können.
Hie und da wurden Träume mitgeteilt, über die der Analysand jedoch rasch hinweg ging. Sie und die spärlichen Einfälle über sie ließen erkennen, oder doch vermuten, daß hinter den durch Prahlereien verdeckten „Minderwertigkeitsgefühlen” ein mächtiger Kastrationskomplex wirkte, der sich zunächst in analen und oralen Bildern spiegelte.
Die psychoanalytische Arbeit wurde erst dann fruchtbarer, als jener Wendepunkt eintrat, über den ich berichten möchte.
In der M