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Bei den meisten Menschen tauchen wohl im Lauf des Lebens Selbstmordphantasien auf. Wenn auch die Umsetzung dieser Phantasien in die Tat verhältnismäßig selten ist oder die Ausführung der Tat unter Umständen erfolgt, die eine Verhinderung derselben im letzten Moment zulassen, so bleibt doch das Vorhandensein solcher Phantasien dem Psychologen ein Gegenstand der Forschung.
Es fällt auf, daß es weit seltener reale Umstände sind, die zum Selbstmord treiben. Viel größer ist die Zahl derer, die aus psychologischen Ursachen in der Phantasie mit dem Selbstmord spielen, so daß unter den Motiven des Selbstmordes die Flucht vor der Mühe des Lebens, die Angst und das Schuldgefühl als hauptsächliche zu nennen sind.
Es erhebt sich die Frage, unter welchen Umständen die Selbstmordphantasie realisiert wird und welche Faktoren an dieser Realisierung oder an der Verhinderung derselben beteiligt sind. Wir stoßen hier auf das Problem des Kampfes zwischen Lebens- und Todestrieben. Ist eine primär konstitutionelle Differenz im Verhältnis der beiden Triebarten anzunehmen oder sind Erlebnisse der Kindheit auf quantitative Verschiebungen innerhalb der beiden Triebarten einflußnehmend? Im weiteren müssen wir uns fragen, ob zu solchen sekundären Faktoren der Verstärkung der primären Triebanlage nicht andere sekundäre Faktoren beitragen, wie Sadismus und Masochismus, der Gottkomplex, Schuldgefühl und Strafbedürfnis.
Zur Lösung dieser Frage soll im folgenden über sieben Fälle mit Selbstmordphantasien oder Selbstmordversuchen berichtet werden. Bei allen Fällen sind Selbstmordphantasien aufgetreten, ein starker Impuls, den Selbstmord auszuführen, in zwei Fällen, einmal bei einem Kind, das andere Mal bei einem