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Im Hippokratesverlag in Stuttgart ist soeben eine Broschüre von Anna Freud unter dem Titel „Einführung in die Psychoanalyse für Pädagogen” erschienen; sie enthält 4 Vorträge, die die Verfasserin in diesem Jahre vor einem pädagogischen Publikum, vor Horterziehern der Gemeinde Wien gehalten hatte. Mit Genehmigung des Hippokratesverlags geben wir hier den Schlußvortrag wieder.
Meine Damen und Herren! Wir dürfen voneinander nicht zu viel verlangen. Sie dürfen nicht erwarten, daß es mir gelingen kann, Ihnen in vier Kursstunden mehr als die allerwichtigsten Grundtatsachen einer Wissenschaft vorzuführen, zu deren Studium man ebensoviele Jahre brauchen würde; ich glaube nicht, daß Sie alle Einzelheiten, die ich Ihnen vorgetragen habe, in der Erinnerung behalten werden. Aus der gedrängten und wahrscheinlich oft verwirrenden Fülle meiner Zusammenfassung werden Sie vielleicht nur drei für die Psychoanalyse charakteristische Gesichtspunkte als Richtlinien festhalten können.
Der erste dieser Gesichtspunkte bezieht sich auf die zeitliche Einteilung. Die Psychoanalyse unterscheidet, wie Sie erfahren haben, im Leben des Kindes drei verschiedene Perioden: die Frühzeit, etwa bis zum Ende des fünften Lebensjahres; die Latenzperiode bis zum Beginn der Vorpubertät, etwa nach dem elften, zwölften oder dreizehnten Jahr und die Pubertät, die in die Erwachsenheit einmündet. Für jede dieser Perioden ist eine andere Gefühlseinstellung des Kindes zu den Menschen seiner Umwelt und eine andere Stufe der Triebentwicklung normal und charakteristisch. Die Beurteilung einer bestimmten Eigenschaft oder Reaktionsweise des Kindes wird also nie unabhängig von der Periode sein können, in der es sich befindet. Ein Stück triebhafter Grausamkeit oder Schamlosigkeit zum Beispiel, das in der frühkindlichen Periode und der Pubertät der normalen Entwicklung