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Vor einigen Jahren war es üblich, über das junge Mädchen und seine Fehler zu diskutieren. Es schien, daß es viele Fehler besaß. Die dürftige Länge seines Haares und Rockes wetteiferte mit einer noch dürftigeren Moral. Wir wollen nicht leugnen, daß viele Schwächen, die in dieser Diskussion aufgezeigt wurden, wirklich vorhanden sind. Jede Generation hat ihre besonderen Fehler und dazu noch eine ganze Reihe anderer, denn jede Generation umfaßt Individuen von entgegengesetzten Temperamenten.
Dies scheinen die meisten Menschen jetzt einzusehen und die Erörterungen über das moderne Mädchen — das nun aufgehört hat modern zu sein — sind verstummt. Man beginnt zu begreifen, daß unsere Ansichten über die Gegenwart durch Vorstellungen von der Vergangenheit verfälscht werden. Unbewußt konstruieren wir ein Bild der Vergangenheit und sind dann entzückt oder entsetzt — je nach unserem Geschmack — durch den Kontrast zwischen dem Bild, das wir uns von der Vergangenheit gemacht haben und jenem, das uns die Gegenwart bietet. Das Bild der Vergangenheit konstruieren wir uns aus dem Plunder, den wir „Viktorianismus” zu nennen pflegen.
Eine köstliche Satire auf diese Einstellung des menschlichen Geistes finden wir in „This Year of Grace”, einer glänzenden Revue, die gegenwärtig in London und New York gegeben wird. Wir sehen in dieser Revue ein Brautpaar aus dem Jahre 1890, wie es prüde und sich zierend im Hotel eines Badeortes absteigt, und gleich darauf erblicken wir ein ähnliches Paar aus dem Jahre 1929 mit seinem ganzen vertraulichen Gehaben. Es ist kaum nötig, entsprechend alt und besonders privilegiert zu sein, um zu wissen, wie sich diese Dinge im Jahre 1890 abspielten und mit Sicherheit feststellen zu können, daß die Braut jener Zeit in Wirklichkeit mehr jener vom Jahre 1929 glich als ihrem imaginären Selbst. Die wirklichen Unterschiede liegen nicht in wesentlichen Dingen, sondern in der Kleidung und den Sitten.
Allerdings reichen diese Unterschiede tief. Sie berühren jedoch nicht die