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Meine Damen und Herren! Der Knabe, über den ich Ihnen berichten möchte, stand zur Zeit der Analyse im zehnten Altersjahre, war auffallend klein, mager, bleich und machte den Eindruck starker Nervosität und Zerfahrenheit. Die Mutter sagte aus, daß er ein Kriegskind sei, 1917 geboren, daß sie vor ihm zwei Frühgeburten gehabt, und daß schließlich auch er schon als achtmonatiges Kind zur Welt kam, ein Miniaturwesen von nur 3½ Pfund Gewicht, dem zudem an Händchen und Füßchen die Nägel noch fehlten.
Während die Mutter zur Zeit der Schwangerschaft unter starken seelischen Krisen zu leiden hatte, verlief indessen die Geburt normal. Gleich nachher muß jedoch der Hebamme beim Baden des kleinen Wurmes irgend ein Fehler unterlaufen sein. Wahrscheinlich ließ sie ihn ins Wasser fallen, jedenfalls brachte sie ihn mit völlig blauem, fast schwarzem Körperchen und dem Erstickungstode nahe in das Zimmer der bestürzten Mutter zurück. Zwei Ärzte, die herbeieilten, gaben sein Leben für verloren. Es war wie ein Wunder, an das niemand recht glauben konnte, daß es ihm erhalten blieb.
Die Säuglingszeit wurde für die Mutter eine harte Schule der Geduld. Drei Monate lang versuchte sie, ihn mit ihrer Milch zu ernähren, doch er erbrach sie meist wie auch alles andere, was ihm eingegeben wurde. Er blieb beinahe gleich groß und gleich schwer. So vergingen acht Monate, ohne daß man an die Möglichkeit einer Erhaltung zu glauben wagte.
Eine Änderung trat erst ein, als sich die Mutter entschloß, mit ihm aufs Land hinauszuziehen, wo er dann bei einsetzendem Frühling und besonderer Milch — er erhielt täglich 3 bis 4mal je 20 Gramm — sich langsam zu entwickeln begann.