You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Über die psychoanalytische Entwicklungsgeschichte der Triebe hielt auf Einladung des Akademikerinnen-Bundes und des Bundes wissenschaftlich und künstlerisch tätiger Frauen von Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und Umgebung Frau Dr. med. Frieda Fromm-Reichmann (Heidelberg) am Schluβ des alten Jahres einen 4stündigen Vorlesungskursus vor etwa hundert Hörerinnen beider Vereine. In den beiden ersten Stunden schilderte die Vortragende die frühkindliche Triebentwicklung von der Säuglingszeit bis zum schulpflichtigen Alter. Sie stellte dar, wie das Kind, ursprünglich ein reines Triebwesen, dessen Leben nur von der Bedürfnisbefriedigung (Nahrungsaufnahme und -Abgabe, Schlaf und Reinigung) und der mit dieser verbundenen Lust, Selbstliebe und Selbstherrlichkeit, bestimmt ist, — unter dem Druck der Forderungen der Auβenwelt (Entwöhnung und Reinlichkeitsgewöhnung, soziale Einordnung in den Geschwisterkreis) allmählich zur Beziehungsfähigkeit zur Umwelt, zur Liebe zu Eltern und Erziehern im Sinne des Ödipuskomplexes und zur Ausbildung eines organisierten, rationalen Prinzipien gehorchenden Seelenanteils gelangt, der als „Ich„, als Träger des Bewuβtseins, die Ordnung der auf subjektive Lust gerichteten Triebregungen in ihrem Verhältnis zur Gesamtpersönlichkeit und zur Auβenwelt im Sinne der Anerkennung eines objektiv gültigen Realitätsprinzips übernimmt.
In zwei weiteren Stunden wurden die späteren Schicksale der frühkindlichen Triebe besprochen. Ihre Blütezeit ist mit Beginn des schulpflichtigen Alters vorüber, und nur gewisse Anteile von ihnen, die später beim Aufbau des Liebesleben der Erwachsenen mitwirken, bleiben als solche latent erhalten, bis sie mit Beginn der Pubertätszeit zu neuer Blüte kommen.
Das „Ich” des Kindes erstarkt nun zunehmend, und unter seiner Mitwirkung beteiligen sich diejenigen frühkindlichen Triebregungen, die bei der endgültigen Gestaltung des Trieblebens des Erwachsenen keine Verwendung finden können, mit Hilfe von Verdrängungen und verschiedensten Tri