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„Sie meinen es ganz gewiß gut mit Ihren Schülern, zugegeben. Sie verstehen sich auf seelische Regungen, Mechanismen und Zusammenhänge, über die wir nichts wissen, es gelingt Ihnen auf eine neumodische und oft unerwartete Art, die Kinder aus Bedrängnissen zu geleiten, wo wir nichts ausrichten würden, und es ist Ihnen gegeben, leichter als es bei uns der Fall ist, mit wissenschaftlichen und nicht allein mit intuitiven Mitteln eine Schülergemeinschaft herzustellen, die mehr bedeutet als nur eine vom Schulzwang zufällig zusammengestellte Schülerschar einer Klasse.
Aber Sie haben uns als das Wesentliche dieser Gemeinschaft die ‚Bindung’ aufgezeigt. Die Bindung der Schüler untereinander und an den Führer. Sie haben uns mitgeteilt, daß die ‚Pädanalysen’, wie Pfister sagen, die ‚Reparaturen auf offener Strecke’, wie Schneider sie benennen würde, daß diese kleinen therapeutisch-pädagogischen Arbeiten nur dann möglich sind, wenn die Bindung der Schüler an den Lehrer vorhanden ist.
Darin sehen wir jedoch eine von Ihnen gänzlich unterschätzte Gefahr.
‚Bindung’, ‚Übertragung’, wenn wir Sie recht verstanden haben, entspricht ungefähr dem, was wir im täglichen Leben ‚Liebe’ heißen. Sie haben uns in Übereinstimmung mit Anna Freud1 mitgeteilt, daß bei Kindern die Bindung anderer Art ist als bei den Erwachsenen, die den Psychoanalytiker aufsuchen: sie sei realer. In der Psychoanalyse der Erwachsenen sei sie fiktiver, nach dem Vorbilde der ursprünglichen infantilen Liebesobjekte im Sinne des Wiederholungszwanges neu aktiviert. Bei Kindern jedoch gehörten die ursprünglichen Liebesobjekte, die Eltern, noch nicht der Geschichte des Individuums an, und der Pädagoge habe sich wie der Kinderanalytiker beim Kinde in die Liebe zu den Eltern als neues Objekt zu teilen.
Die Gefährlichkeit der ‚Bindung’ wird an Ihren Aussprüchen selber