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(Fortsetzung aus dem vorigen Heft)
Wir wissen durch die in Analysen aufgedeckten seelischen Befunde, welche Rolle für den einzelnen seine Beziehung zu den Geschwistern spielt. Die bisherige Pädagogik ging an dieser Tatsache vorüber oder fand sie nicht wesentlich genug, um ihr Beachtung zu schenken. Wir lernten aber erkennen, daß das älteste, das mittelste und auch das jüngste Kind einer Familie, jedes aus seiner besonderen Stellung heraus, Konfliktsmöglichkeiten ausgesetzt ist, die geeignet sind, seine Charakterentwicklung und seine Einstellung zum Leben zu beeinflussen. Eifersucht und Wettbewerb, aus dem Nichtmitkönnen entstehende Minderwertigkeitsgefühle, die Angst vor einem Zuweniggeliebtsein, Überheblichkeit und Herrschsucht wirken sich im Zusammenleben der Geschwister aus und werden auch dort nicht auszuschalten sein, wo eine bewußte Erziehung dagegen anzukämpfen sucht. In der psychoanalytischen Literatur finden wir Aufklärungen über diesen Sachverhalt. Besonders wichtig erscheinen uns auch die Mitteilungen, die uns über den generellen Neid der Mädchen auf die Knaben belehren und frühe Grübeleien der Kinder über den Geschlechtsunterschied aufhellen.1
Wir müssen annehmen und haben auch manchen Beweis dafür, daß die im Geschwisterkreis durchlebten Konflikte neu in Erscheinung treten, wenn das Kind in eine andere Kindergemeinschaft versetzt wird. So manches daheim unterdrückte oder überkompensierte [8] Gefühl findet hier Gelegenheit, sich durchzusetzen.
Das einzige Kind aber, das im Kindergarten vielleicht das erste Mal mit anderen teilen muß und plötzlich vor der Notwendigkeit steht, sich durchsetzen zu müssen, ihm werden in der Gemeinschaft mancherlei Schwierigkeiten entstehen, bis es die nötige Anpassung erreicht hat. Der Geschwisterkampf, bei den anderen Kindern mehr Wiederholung und Erweiterung, wird bei den Einzigen erst im Kindergarten erlebt; bisher anerkannter Mittelpunkt seiner Umgebung, wird