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Meine Damen und Herren, dadurch, daß uns die Psychoanalyse gelehrt hat, die psychischen Reaktionen, die einer Neurose oder ganz allgemein einem neurotischen Charakter eigen sind, von einander abzugrenzen, hat sie uns vor ein bedeutendes und äußerst kostbares klinisches Material gestellt. Jeder, sei er Arzt oder Pädagoge, kann daraus Nutzen ziehen. Wir haben den Eindruck, daß die Kenntnis einzelner Reaktionen den Pädagogen auf sehr ersprießliche Art und Weise über gewisse Charaktereigenheiten unterrichten könnte, die ihm bei einzelnen Schülern viel Kopfzerbrechen verursachen dürften. Unter diesen Charaktereigenheiten gibt es solche, die schon an die psychoneurotischen Symptome grenzen, ohne deshalb auf den ersten Blick als solche erkannt und beurteilt zu werden. Dies hat zur Folge, daß der Erzieher anstatt dem an solchen Symptomen leidenden Schüler hilfreich zur Seite zu stehen, riskiert, seinen Fall zu verschlimmern, wenn er die Sachlage verkennt oder wenn er nicht imstande ist, die erforderliche Haltung einzunehmen.
Die Psychoanalyse hat uns insbesondere erlaubt, vom Gesamtbilde einer Neurose oder eines neurotischen Charakters eine gewisse Anzahl von Selbstbestrafungsmechanismen loszulösen, die sehr verschiedene und unerwartete Rückwirkungen auf das Verhalten des Individuums haben können, ja es zustande bringen, die normale Entfaltung seiner Intelligenz und seiner Aktivität zu hemmen und so den mit seiner Erziehung betrauten Eltern und Lehrern die größten Schwierigkeiten zu bereiten. Das Vorhandensein derartiger psychologischer Mechanismen kann sogar bei als normal befundenen Individuen festgestellt werden und ihrer gleichmäßigen Entwicklung hindernd im Wege stehen.
Unsere persönliche Erfahrung beruht gewiß in erster Linie auf der Behandlung klinischer Fälle, aber wir dürfen trotzdem nicht vergessen, daß unsere Kranken einst Kinder und Schüler gewesen sind und daß ein frühzeitiger Eingriff manche dieser Existenzen, deren Leben später durch eine Neurose für immer verd