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Ich möchte vorausschicken, daß es sich in der vorliegenden Arbeit nicht um eine therapeutische Analyse handelt, sondern um Material aus Aufzeichnungen aus einem Tagebuch und um dessen analytische Deutung. Das Kind, von dem ich spreche ist lebhaft, zugänglich, und zwar als sensibel, aber nicht als besonders neurotisch anzusehen. Die Symptome einer leichten Neurose, die das Kind produziert würden in einem anderen Milieu wohl gar nicht als solche auffallen, nur als Unarten oder Launen angesehen und entsprechend behandelt werden. Sicher ist aber, daß die Probleme und Schwierigkeiten, mit denen das Kind zu tun hat, in jeder Kinderentwicklung eine Rolle spielen.
Als das Kind etwas über 2 Jahre 7 Monate alt war, begann eine Phobie. Und zwar handelt es sich um eine im Beginn noch ganz geringe, dann aber stärker werdende Angst vor Schatten. Der Angst war im Alter von 1½ Jahren ein auffallender Fragetrieb vorangegangen. Dieser war insoferne auffallend, als der sonst intelligente Junge bis dahin nichts gesprochen hatte, sondern seine Umgebung mit ausdrucksvollen Geberden, Nicken, Kopfschütteln und Quietschen regierte. Er verstand vor dem ersten Jahre alles, was man zu ihm sagte, sprach aber selbst nichts. Als er 1¼ Jahre alt war, wurde seine Schwester geboren. Ich will zunächst etwas von seiner Reaktion auf diese Schwester erzählen. Während der letzten Monate der Schwangerschaft der Mutter wurde der bis dahin leicht zu erziehende Junge außerordentlich schwierig, und zwar vor allem der Mutter gegenüber. Er quälte sie beständig, wollte sich nur von ihr besorgen lassen, immer von ihr auf den Arm genommen werden, er weinte viel usw. Anderen Personen gegenüber war er ruhiger. Während der letzten Zeit der Schwangerschaft der Mutter wurde beobachtet, daß das — noch nicht 1¼ Jahre alte — Kind häufig mit auffällig vorgestrecktem Bauch ging, offensichtlich in Identifizierung mit der Mutter. Einmal legte der Junge, als er auf dem Schoß der Mutter saß und das Ungeborene eine besonders heft