You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ein schwer verwahrloster junger Mann kam als Achtzehnjähriger zu uns in die Anstalt. Boris ist von wildem ungezügeltem Temperament, durchaus intelligent wenn auch sprunghaft im Denken und in der Wahl seiner Interessen. Bei der ersten Begegnung mit ihm ist man erstaunt, einen so höflichen, ja liebenswürdigen, verständigen und interessanten jungen Mann vor sich zu haben. Obwohl im Ausland geboren und erzogen, spricht er gewandt deutsch und blendet im Gespräch durch rhetorischen Schwung und eine farbenreiche Phantasie. Kennt man ihn länger, so wird hinter der dünnschichtigen brillierenden Oberfläche bald das Dumpf-Triebhafte, Unberechenbare seines Wesens sichtbar. Er, wie der größte Teil der Kriminellen dieser Gruppe, hat sich durch Eigentumsvergehen zu Hause und an anderen Orten unmöglich gemacht. Um mit seiner Geschichte vertraut zu machen und ihn gleichzeitig selbst reden zu lassen, zitiere ich einige wesentliche Teile aus seiner autobiographischen Beschreibung. Sie ist trotz seiner sonst üblichen Phantastereien im Kern wahrheitsgetreu.
„Das erste, an was ich mich erinnern kann, ist das Leben mit meinem, ersten Vater. Das war so. Wir lebten in B … Mein Vater war Journalist bei einer Zeitung. Er war sehr leichtlebig und ein großer Säufer. Das Geld, das er für seine Werke bekam, verbrauchte er auf unsinnige Weise. Wir bekamen des öfteren nichts davon zu sehen. Natürlich war so ein Leben für meine Mutter eine kolossale Plage. Sie wußte manchmal nicht, von wo sie für mich und meine beiden Brüder das Brot herschaffen sollte. Mein Vater war öfters auch über Nacht nicht zu Hause. Er soll die schrecklichsten Dinge getrieben haben, so erzählte mir meine Mutter später.
Eines Tages waren mein Vater, meine Mutter und ich im Kaffeehaus, wo wir öfters hingingen. Wie wir uns so unterhielten, steht meine Mutter plötzlich auf und bittet die beiden Herren, die am Nebentische saßen, um ein Buch, das sie sich an