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Die in Mythen überlieferten menschheitlichen „Urszenen” kehren in unseren Träumen — und vornehmlich in denen der Kinder, deren Denken ja auch im Wachen dem Mythus näher steht als das der erwachsenen Kulturmenschen — so häufig wieder, daß man sie als eine besondere Art der typischen Traummotive, als die der mythischen bezeichnen muß. Wir nehmen damit Nietzsches Idee, daß das Traumdenken eine phylogenetisch ältere Denkart sei, wieder auf und ergänzen sie.
Ich habe in meinem Buche „Zeugung, Geburt und Tod”1 auf einige der wichtigeren Beziehungen zwischen dem Mythus und dem Traumleben des Kulturkindes hingewiesen und möchte hier ein dort nicht erwähntes Beispiel dieser Art hinzufügen.
Es bandelt sich um einen, den Sündenfallmythus teilweise reproduzierenden und teilweise modifizierenden „Paradiestraum” eines fünfzehnjährigen Jungen, namens Max.
Die Mutter, die der Knabe als einziger Sohn sehr geliebt hatte, mußte schon in seinem fünften Lebensjahre in einer Irrenanstalt interniert werden. Er schloß sich um so enger an seine um ein Jahr ältere Schwester an. Nach der Wiederverheiratung des Vaters mit einer sehr jungen Frau wurde Max unverträglich, störrisch, launisch, zanksüchtig und grob. Sein Benehmen wuchs sich schließlich im letzten Jahre seiner Schulzeit, als die Schwester fortzog, um einen Beruf zu erlernen, derart zur Unausstehlichkeit aus, daß häufig Schlägereien zwischen Vater und Sohn vorkamen. Der Vater war dem starken Jungen nicht mehr gewachsen und sah sich genötigt, mich zur Erziehungshilfe beizuziehen.
Gleich zu Beginn der Analyse traten in den Träumen Todeswünsche gegen den Vater, Verleugnungen der eigenen Abstammung, sowie daraus erwachsende Schuldgefühle, Aktivierungen von Strafbedürfnissen und eigenen Tedeswünschen auf.
Bei heftigen Widerständen gegen das Bewußtwerden dieser Vatereinstellung produzierte Max Tiraden des Lobes auf den Vater, bekam häufig Schwindelgefühle, abwechselnd Ohren-, Augen-, und Zahnschmerzen, schlief öfters während der Analyse ein