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Im Folgenden gebe ich einige Beobachtungen bekannt, von denen ich annehme, daß sie für Psychoanalytiker und Pädagogen von Interesse sein dürften.
Eva, 13 Jahre alt, ist im Internat eines Oberlyzeums. Ihr Vater ist tot, die Mutter, früher vermögend, verarmt. Die Geschwister, davon ein Bruder älter, einer jünger als Eva und das jüngste Kind, ein Schwesterchen, sind abwechselnd bei der Mutter und bei Verwandten. Diese tragen auch die Kosten für Unterhalt und Unterricht der Kinder. Eva hört seit Ostern nichts von ihrer Mutter. Dafür prahlt sie bei den Mitschülerinnen umsomehr von zu Hause, wie oft sie dort ins Kino geht, wie oft ins Theater und Café. Die Kameradinnen fühlen sich dadurch abgestoßen und wenden sich von ihr ab. Eva schilt auf Internat, Schule, Lehrer, Schülerinnen. Als sie wieder beim Prahlen ist, erkläre ich ihr ruhig, daß sie augenblicklich kein Geld hat und daß ihre Prahlerei überhaupt sinnlos ist. Ich nehme mir vor, ihrer Mutter zu schreiben, daß Eva sehr auf Nachricht von ihr wartet. Da Evas Geburtstag näher kommt, warte ich noch damit. Eine Stubenschwester hat mit ihr am gleichen Tag Geburtstag und bekommt Briefe uud Pakete von Vater und Mutter. Eva bekommt solche von Verwandten und endlich einen Brief mit Photo von Mutter und Schwesterchen. Geschenke soll sie in den Ferien haben. Eva trägt die kleine Photographie überall mit sich. Aber es fehlt das Reale. Während des Unterrichtes träumt sie.
Sie ist groß für ihr Alter, aber sie sagt: „Ich wollte, ich wäre ganz klein, 30 cm groß und hätte ganz kleine Glieder.” Eines Abends komme ich ins Kinderschlafzimmer, da ruft sie: „Hören Sie mal, ich kann ganz genau so weinen wie ein Baby.” Dabei verkriecht sie sich unter die Decke und stößt Laute aus wie ein Neugeborenes. Zu einer älteren Schülerin hat sie eine zärtliche Zuneigung. Diese muß abends an ihr Bett kommen, wird zugedeckt, geküßt: „Du bist doch mein süßes Kleines.”
Eines Tages kommt Evas Tante. Sie sagt, Eva soll während der Ferien nicht zu ihrer Mutter