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Unter den deutschen Psychiatern zeigte Kretschmer seit jeher ein besonderes, Interesse für Psychoanalyse, er gab durch Schaffung seiner Typenlehre den Anstoß zu einer neuen Entwicklung der Konstitutionsforschung. K. vereinigt zusammengehörige körperliche und seelische Merkmale unter diesem übergeordneten Begriff und fordert, daß jeder Krankheitsfall auf vielerlei Ursachenketten zurückgeführt werde. Dabei räumt er der Psychoanalyse eine große Rolle ein.
Die zweite Auflage seines Buches über Hysterie enthält ein neues Kapitel über „Konstitution und Charakter”; er untersucht, fußend auf Kräpelin und Freud, biologisch, psychologisch und nervenphysiologisch den hysterischen Reaktionstypus. Außer den hysterischen Symptomen als Ausdruck von persönlichen Triebschicksalen hat Kretschmer schon früher ausgeführt, wie tief phylogenetisch der hysterische Mechanismus in der Tierreihe nachweisbar ist („Sichtotstellen.” „Bewegungssturm.”) Nun weist er auf die Häufigkeit einer Gruppe von Konstitutionsanomalien hin, vor allem auf den sexuellen Infantilismus bei Hysterie. Die Beziehung zwischen Hysterie und Sexualtrieb erkennt Kretschmer zwar an, hält aber den FREUD'schen Standpunkt für einseitig. Obwohl das Buch eine rein klinische Abhandlung über Hysterie darstellt, ist es für den Erzieher, der sich mit Psychologie eingehend beschäftigt hat, fast völlig verständlich.
In seiner „Medizinischen Psychologie” gibt der Verfasser eine lebendige Darstellung der modernen psychologischen Untersuchungsmethoden und der Ergebnisse der Hirn-Seeleforschung. Er bemüht sich die Zusammenhänge zwischen den seelischen Hauptfunktionen und dem anatomisch-physiologischen Aufbau zu zeigen. K. verfügt über ein großes Maß von Einfühlung in einzelne Lehren der Psychoanalyse und versucht,