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Lagerborg, Dozent der Philosophie in Helsingfors, macht hier den Versuch, den Begriff der platonischen Liebe historisch darzustellen. Er verwertet die Originalquellen und zahlreiche spätere Veröffentlichungen, vor allem auch neuzeitliche über die Philosophie und Psychologie von Plato und von Sokrates. Für den Psychoanalytiker und den psychoanalytischen Pädagogen enthält das Buch wichtiges Material. Die psychoanalytische Literatur, vor allem die von Freud und Pfister, wird vielfach herangezogen, besonders eingehend bei dem Versuch, nachzuweisen, daß Plato die Sublimierung in den Mittelpunkt seiner Pädagogik stellte. Bei der Diskussion der Entstehung religiöser Erotik wird durch ein Zitat von Heiler die psychoanalytische Deutung als ungenügend bezeichnet und einer „rein geistigen” Ätiologie das Wort geredet. Eine Zusammenfassung der Anschauungen Lagerborgs gibt etwa folgende Stelle: „Um die Liebesverkündigung Platos, wie auch die mystische Gottesliebe zu verteidigen, ließen wir uns auf ihre physiologischen Bedingungen ein. Wir stellten als ihren Hauptgrund eine Gemütsart fest, bei der sich der jugendliche Begeisterungshang noch über das Pubertätsalter fortsetzt. Möge man die so Veranlagten romantisch, ekstatisch, Eros-verzückt, dionysisch oder wie sonst noch nennen, ihr Sondermerkmal ist die „wiederholte Pubertät” oder wie es Nietzsche ausführlicher als Goethe von diesem Temperamente aussagt: „eine Art Jugend und Frühling, eine Art habitueller Rausch im Leben”, An der ästhetischen Erotik dieser fortwährend Jugendlichen, die oft zugleich zu den „Seltenen, die imstande sind, sich dem schönen Selbst zuzuwenden, und es rein für sich zu schauen” gehören, könnte sich, vermuteten wir, ein Unausgeprägt- oder Unausgereiftsein des Geschlechtscharakters beteiligen. Jedoch entschieden größere Bedeutung käme den gesamten nervösen und viszeralen, das Temperament bedingenden, Funktionen zu, in Verbindung mit einer privilegierten zerebralen Struktur, dank der diese schwärmerisch Eing