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Wir wissen seit Freud, daß das Verhältnis Vater und Sohn vornehmlich durch den Ödipuskomplex beherrscht wird. Daraus ergeben sich oft merkwürdige Folgen, etwa solcher Art. Solange der Vater noch lebt, entwickelt sich der Sohn aus Feindschaft und Gehässigkeit gegen ihn in gerade entgegengesetztem Sinne. War jener fromm, wird er Gottesleugner, war jener ein Knicker, wird er Verschwender. Kaum aber ist der Vater verstorben, beginnt sich der Sohn mit dem einst Gehaßten zu identifizieren und gerät geradezu in dessen Bahn. Ein solcher Sohn erzählte mir einmal: „Wenn ich mich im Spiegel ansehe, glaube ich, der Vater blickt mir entgegen!” Das ist selbstredend Wirkung des Schuldbewußtseins vom Ödipuskomplex her. Den Tod des Vaters hat Freud einmal aus eigener Erfahrung das bedeutsamste Ereignis, den einschneidendsten Verlust im Leben eines Mannes geheißen, und ich darf hinzufügen, er ist auch dasjenige, was am ehesten noch den Charakter des Sohnes völlig umwandeln kann.
Nicht selten schließen sich jetzt auch Selbstmordgedanken an und tiefe Verstimmung, die dann den Sinn haben: man möchte den Vater in sich töten, den man früher so haßte, ja umbringen wollte, und der infolge solcher bösen Wünsche auch tatsächlich nunmehr verstorben ist. Eine andere, gar nicht seltene Form, in der man sein Schuldbewußtsein abreagiert, ist, daß man das Erbe des Gehaßten in irgend einer Art zum Fenster hinauswirft. Nicht nur, daß man die sämtlichen Geschwister, die früher der Vater erhielt, jetzt selbst versorgt, man legt auch das hinterlassene Vermögen in einer Weise an, von der man im Unbewußten ganz genau weiß, daß jenes in Kürze wertlos werden muß. Im allgemeinen bleibt es ein tröstlicher Gedanke, daß der Haß gegen die Eltern später gewöhnlich zur Pietät führt. Diese ist nichts anderes als die Reaktion auf das Unrecht, das man jenen in Gedanken tat, und die bösen Wünsche, so man wider sie hegte. Man sieht, daß selbst unser Allerschlechtestes die Quelle von Gutem werden kann. Dazu stimmt treffl