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Wir haben den Autor um Überlassung seines nicht von psychoanalytischem Gesichtspunkte geschriebenen Beitrages ersucht, aus welchem u. a. auch einiges Licht auf die Bedeutung der Ödipus-Situation und die Häufigkeit des Inzestes von der Seite sozial-statistischer Forschung her fällt. Dem Psychoanalytiker wird, wenn heute auch seltener, entgegengehalten, daß er nur auf Grund der subjektiven Angaben einzelner Kranker abnorme Funde allzusehr verallgemeinert. Die Befunde des Autors zeigen aber eine unerwartete Häufigkeit auch des tatsächlichen Inzestes und lassen daher auf noch ungleich häufigere sexuelle Traumen in der Kindheit schließen.
Die Psychoanalyse läßt die Überwindung der Ödipus-Situation als die wichtigste Aufgabe der seelischen Entwicklung des späteren Kindesalters erkennen. Aus der normalen Überwindung des Ödipuskomplexes entsteht nach Freud der moralische Halt des Menschen, sein Über-Ich. Wenn die Fürsorgetätigkeit statistisch die Abhängigkeit der seelischen Verelendung vom Ausfallen der elterlichen Funktion feststellen kann, so sehen wir hier die Wichtigkeit der psychoanalytisch gefundenen Ursachen in greifbarer Art erfaßt. Die amtliche Untersuchung stellt nur die äußeren Bedingungen des Erziehungsausfallsfest. Die Psychoanalyse weist nach, daß diese Bedingungen dadurch wirksam sind, daß sie unbewußte Strebungen auf Seite der Kinder sowohl als der Erzieher frei setzen, beziehungsweise außer Kraft setzen.
Sehr glücklich hat der Autor den Begriff „Verwaisung” ausgedehnt auf alle Fälle, in denen die Eltern nicht seelisch wie Eltern funktionieren. Auch eine blutsfremde Frau funktioniert und nützt als Mutter, wenn gegenseitig Übertragung erfolgt. Es wird uns eine Genugtuung sein, wenn die Entdeckungen Freuds mehr und mehr in den Dienst der sozialen, allgemein zugänglichen Fürsorge gestellt werden. Das Recht des Kindes auf normale Aufzuchtbedingungen wird erst durch eine psychologisch-analytisch richtig geleitete Fürsorge in das allgemeine Bewußtsein des Volkes dri