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Für die Behandlung unseres Themas wird es gut sein, daß wir uns die grundsätzliche Frage überlegen: was wollen wir unter Weltanschauung verstehen? Es ist zweckmäßig, zur Klärung dieser Frage das geistige Gebilde einer Weltanschauung mit dem der Wissenschaft und zwar der empirischen Wissenschaft, wie sie in den Naturwissenschaften vorliegt,' zu vergleichen. Offensichtlich ist Weltanschauung etwas anderes als eine empirische Wissenschaft, Was tut diese? Sie durchforscht das unendliche Gebiet der gegebenen Wirklichkeit, entdeckt Tatsachen und abstrahiert aus ihnen gesetzmäßige Zusammenhänge. Weltanschauung will etwas Anderes. Dieses Andere, wesentlich Andere ist, die gegebene Wirklichkeit nicht nur zu erkennen wie sie ist, sondern sie zugestalten in Richtung auf Vorstellungen davon, wie sie zweckmäßiger- und vernünftigerweise sein sollte. Wir verstehen also unter Weltanschauung nicht das, was man nach dem Wortlaut dieses Ausdrucks darunter verstehen könnte, eine bloße „Anschauung” der Welt, sondern das, was mit dem Ausdruck in der Tat durchgängig gemeint wird, eine Entscheidung darüber, wie man sich der Welt und dem Leben gegenüber verhalten will, wie man sich beiden gegenüber nicht nur betrachten d, sondern gestaltend verhalten will. Wir verstehen Weltanschauung im Sinne von Welt- und Lebensgestaltung.
Man könnte sich, wenn man empirische Wissenschaft mit Weltanschauung vergleichen will, auch so ausdrücken: Die empirische Wissenschaft kennt und verfolgt nur einen einzigen Wert, den Wert des Wissens um das, was ist, die Weltanschauung aber kennt und verfolgt eine große Reihe von anderen Werten, nach denen sie das Gegebene zu gestalten sucht, sie kennt den Wert einer Erziehung und Kultur der Persönlichkeit, — im inneren wie im äußeren Sinne, — den Wert der künstlerischen Gestaltung, den Wert einer moralischen und rechtlichen Ordnung in den Beziehungen der Menschen zu einander,