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Man könnt erzogene Kinder gebären,
Wenn die Eltern selbst erzogen wären
Jeder von uns ist bis zu einem gewissen Grade Erzieher. Wir alle nehmen mehr oder weniger Einfluß auf das Leben unserer Mitmenschen — wenn auch zuweilen nur vorübergehend — oft aber weit mehr, als wir ahnen. Je jünger das Kind ist, desto tiefere Eindrücke wird es von den Leuten seiner Umgebung empfangen, alle sind an seiner Erziehung beteiligt. Diese Eindrücke setzen mit der Geburt ein und werden bestimmend für die wechselseitigen Beziehungen von Charakter und Schicksal, ein Schicksal jedoch, das fortdauernd einer Wandlung dadurch unterliegt, daß, über kurz oder lang, das Kind selbst in das Leben seiner Umgebung und später seiner eigenen Kinder oder Zöglinge eingreift. Das Wort „Erzieher” wird in dieser Arbeit in seinem weitesten Sinn gebraucht und gilt für alle, die auf ein anderes Individuum, welchen Alters auch immer, irgendwelchen erzieherischen Einfluß ausüben.
Ohne Zweifel ist die erste und, wie wir auch sagen können, wichtigste Person in der Erziehung die Mutter oder deren Stellvertreterin, die Amme; sie, die es mit den ersten primitiven, aber umso gebieterischen Bedürfnissen zu tun hat, bestimmt durch die Art ihres Verhaltens die Grundlage zur späteren Persönlichkeit, schafft die Disposition für Gharakterzüge, Neurosen und Fähigkeiten. Alte Wochenbettpflegerinnen mahnten oft die jungen Mütter: „Beginnen Sie gleich, wie Sie es auch weiterhin durchführen können” („Begin as you mean to go on”), womit sie vielleicht nur sagen wollten, daß Kinder kleine Gewohnheitstiere sind, doch hat dieser Satz einen tieferen Sinn. Daher ist die Einstellung des Erziehers zum Kind von der größten Bedeutung für sein ganzes kommendes Schicksal. Schon längst herrschte allgemein der Aberglaube, daß das Kind so wird wie die Person,