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Ich möchte meinen zehnjährigen Jungen in die Analyse schicken, — wenn er nichts dagegen hat, — da er meinem Laienverstand genügend neurotisch erscheint. Kein Arzt würde ihn für krank halten — höchstens für ein bißchen „nervös” — kein Lehrer für besonders schwierig, höchstens für ein wenig unaufmerksam und verträumt. Mir scheint genug Anlaß zu einer analytischen Behandlung darin zu liegen, daß er zeitweise an starken Kopfschmerzen mit Erbrechen leidet und vor allem, daß er, dessen Spieltrieb und Phantasieleben unerschöpflich erschienen, sich seit einiger Zeit bis zu Tränen langweilt. Er klagt, er möchte einen Garten haben, oder nur ein kleines Fleckchen Erde, um sich darin einen Tunnel zu graben für seine Eisenbahn. Die Mutter sieht es ein, daß er das haben muß. Aber vielleicht ist für ihn eine Analyse noch wichtiger?
Da mein Interesse an meinem jüngsten Kinde in den letzten Jahren ein besonders reges und gewiß einsichtsvolleres geworden ist, suchte ich mir die Aufzeichnungen aus seiner frühen Kindheit heraus, um mir ein Bild zu machen, oh Dieter schon damals Symptome zeigte, die man als „neurotisch” bezeichnen kann, und wie das möglich ist bei einem weitgehend ungehemmt heranwachsenden Kinde. Ich kam aber bald zu der Überzeugung, daß mein Sohn genug Veranlassung hatte, neurotisch zu werden, auch wenn man von der erblichen Disposition dazu ganz absieht.
Vielleicht müßte man, wenn man über ein Kind aussagt, hei seiner Gehurt anfangen, denn noch früher, im fötalen Zustand, ist es schwer zu fassen. Aber mindestens bei der Geburt beginnt sein persönliches Schicksal. — In dieser Arbeit kann ich mich nicht streng an die chronologische Reihenfolge halten und bitte das Gegebene auch nur als Notizen- und Erinnerungsmaterial nehmen zu wollen. Es schien mir wert, festgehalten zu werden.
Dieter hatte es nicht leicht, ein Menschenkind zu werden. Es ist gewiß nicht nur als ästhetisches Mißgeschick zu bewerten, daß er sich in „Gesichtslage” aus dem engen Gang ans Licht der Welt quetsc