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Die Kinder, über die ich Ihnen berichte, besuchen ein Mädchenrealgymnasium. Das Milieu, aus dem der Großteil von ihnen stammt, ist das des jüdischen Kleinbürgertums, mit seinen besonderen Ideologien, wenn auch die materielle Lage variiert von der rein proletarischen bis zu der des gutgestellten Mittelstandes. Ihnen allen gemeinsam ist eine große Überschätzung der intellektuellen Berufe, nicht etwa des Wissens; der Beruf oder auch nur die Matura ist für sie ein Mittel, sich eine Stellung zu machen, oder was noch besser ist, zu heiraten. Wie eng diese beiden Dinge verknüpft sind, zeige Ihnen folgende kleine Episode: Erna besucht die erste Klasse und lernt besonders schwer, da sie unter dem Durchschnitt begabt ist. Die Mutter, der ich rate, das Kind aus der Schule zu nehmen, erzählt mir, das Kind lerne so besonders gerne und wäre unglücklich, wenn es nicht die Mittelschule besuchen könnte. Da ich dem Bericht keinen rechten Glauben schenke, forsche ich nach der Ursache dieses Eifers und erfahre schließlich, daß man dem Kind zwar keinerlei Vorwürfe macht, sie auch nicht straft, aber man sagt ihr: „Wenn du nicht die Matura machst, bekommst du keinen Mann!” — Ich brauche Ihnen nicht weiter auszuführen, daß die Kinder die Ideen der Eltern bezüglich der Schule, des Wissens und des Lernens weitgehend übernommen haben. Der Besuch der Schule ist in den meisten Fällen über dem intellektuellen und sozialen Niveau der Schüler.
Die Schwierigkeiten in der Schule lassen sich im allgemeinen in zwei Gruppen einteilen: in solche in disziplinärer Hinsicht und in Lernschwierigkeiten.
Für die natürliche Lebhaftigkeit des Kindes bietet unsere Schule bekanntlich keinen Raum. Trotzdem läßt sich leicht erkennen, welche Kinder sich dem