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Die 16jährige Mittelschülerin Hermine T. ist seit Jahren die Klassenerste. Sie wird von ihren Lehrkräften als weitaus die beste Schülerin bezeichnet. Im Laufe des letzten Jahres haben ihre Leistungen nachgelassen. Besonders in den Hauptfächern versagte sie. Ihre Aufsätze waren schlecht, sie war zerstreut, sie begriff schlecht, lernte schwer und ungern. Der Klassenlehrer ließ die Eltern kommen, um mit ihnen wegen des Nachlassens der Schülerin zu sprechen. Sie fiel in der Schule durch verstörtes, verträumtes Wesen auf. Sie starrte häufig unaufmerksam vor sich hin, gab verwirrte Antworten. Schließlich bemerkte der Klassenlehrer, daß das Mädchen nervös sein müsse: sie wurde glühend rot, wenn er sie aufrief, spielte nervös mit den Händen, brach plötzlich in Tränen aus und zeigte ein verändertes Wesen. Der Lehrer riet, einmal einen Nervenarzt aufzusuchen und so erschien die Mutter mit der Tochter in meiner Sprechstunde.
Das Mädchen war zunächst scheu, befangen, ging nicht aus sich heraus. Die Mutter beklagte sich, daß die Tochter in letzter Zeit sich sinnlosen Grübeleien hingebe. Die Patientin berichtet dann nach Überwindung starker Widerstände, sie sei lebensüberdrüssig. Das Leben sei sinnlos. Der Geistliche habe gelehrt, das Leben sei eine Prüfung fürs Jenseits. Die Qual des Daseins könnte man deswegen ruhig abkürzen, und sie gibt zu, daß sie mit einer Freundin, die ähnlich gesonnen sei, bereits in ganz ernster Weise Selbstmordpläne ausgeheckt habe. Sie könne nicht mehr denken, nichts recht begreifen, komme sich dümmer vor, habe ihre alte Lebensfreudigkeit verloren, zöge sich von ihren Freundinnen zurück, denn man möge sie in der Klasse nicht mehr. Nachts habe sie die schrecklichsten Angst- und Verfolgungsträume. Das Leben habe für sie keinen Wert, wenn ihr nicht geholfen werden könne.
Ich veranlaßte, daß die Patientin das nächste Mal allein zu mir kam. Es gelang mir, ihr Vertrauen zu gewinnen, und in ganz kurzer Zeit war das seelische Material gewonnen, das die Störung e