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Im folgenden ist von einem Mädchen von etwas über sechs Jahren, Schülerin der ersten Elementarklasse, die Rede. Die Eltern sind seit mehr als einem Jahre geschieden. Das Mädchen ist bei der Mutter, den Vater besucht sie nicht. Das Kind hat keine Geschwister. Die Vermögensverhältnisse sind sehr günstig. Als wir uns für die Tochter interessierten, teilte uns die Mutter mit Freude mit, daß es ihr gelungen sei, ihre Tochter über diese Veränderung ihres Lebens — die Scheidung der Eltern — hinwegzuhelfen. Ihre Tochter erwähnt angeblich nie den Vater. Besonders hebt die Mutter das gute Gemüt und das harmonische Wesen des Mädchens hervor.
Auffallend ist aber die hochgradige Zerstreutheit und Verträumtheit der Kleinen. Sie sitzt nachdenklich mit starrem Blick und wird durch das, was in ihrer Umgebung geschieht, nur kurze Zeit festgehalten. Das Objekt ihres Interesses ändert sich in der Schule fort und fort. Während des Lesens fragt sie zum Beispiel: Wann werden wir Zahnarzt spielen?, obzwar sie zehn Minuten früher noch jauchzte, als ihr die Schablone eines neuen Buchstabens gegeben wurde. Oder sie fragt plötzlich während einer Erzählung der Lehrerin: Wann werden Sie von Hexen erzählen? Nur für Hexengeschichten hat sie Interesse, Geschichten und Erzählungen aus dem realen Leben kümmern sie nicht, und da keine Hexengeschichten erzählt werden, liebt sie die Erzählungen der Lehrerin überhaupt nicht.
Fragt man sie, woran sie denke, wenn sie nicht aufpaßt, gibt sie die Antwort: Ich weiß nicht. Ihre Unbeständigkeit und ihre Fähigkeit zum Lernen entsprechen einem Alter von 4 ½ bis 5 Jahren. Das zusammenhängende Lesen hat sie schwer verstanden. Im vierten Monate des Unterrichtes kann sie zwar bereits lesen, apperzipiert aber nicht den Sinn des gelesenen Satzes. Noch weniger faßt sie das Rechnen auf, addiert nur durch Zählen.