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Mit Ausnahme der Ausführungen der Autoren über Psychoanalyse ist das Werk eine wertvolle Darstellung der Sexualgeschichte, der Entwicklung des Geschlechtslebens und seiner Beziehungen zum sozialen Leben, zur Kunst, Ethik und Religion.
Es werden zahlreiche interessante völkerkundliche Forschungsergebnisse, z. B. über sexuelle Blutopfer und Männerkindbett initgeteilt. Der Leser erfährt eine zusammenfassende Darstellung der sozialen Probleme des Sexuallebens, der Prostitution, der Ehe und Familie. Das Bildmaterial ergänzt vor allem die ethnographischen Textstellen.
Die Stellung der Autoren zur Psychoanalyse zeigt, daß sie das Wesentliche der Freud sehen Funde ablehnen, vor allem die Rolle des Ödipuskomplexes für die Neurosenentstehung und die Bedeutung der infantilen Sexualität. Die Haltung der Autoren ähnelt der Haltung Jungs. Es genügt, zur Kennzeichnung eine Stelle wiederzugeben. S. 229 heißt es: „Gibt es denn nun gar keine Brücken zwischen der Freudschen Auffassung und unserer eigenen, der wir ja früher bereits weit ausgesponnene Kapitel dieses Buches widmeten? Besteht denn hier wirklich ein so großer Gegensatz zwischen Freud und uns? Schließlich sind doch die Ritualien der Sohnestöfung vorhanden, und schon die Gemeinsamkeit des Arbeitsgebietes müßte doch eine Verständigung zwischen Freud und uns ermöglichen. Nun, wir sind bereit, der Freudschen Schule die wissenschaftliche Bruderhand über den Abgrund, der uns trennt, zu reichen. Wenn Freud erklären würde, daß er, den wir neidlos als den größten Symboliker aller Zeiten anerkennen, seine Lehre symbolisch gemeint hat, so ist die Einigung hergestellt. Was verstehen wir darunter? Wenn Freud mit dem Worte „Mutter” symbolisch das Weib meint, wenn er, hierüber hinaus, das Weib, das ja das begehrenswerteste Gut auf der Welt ist, für „Welt” setzt, so ist der Konflikt zwischen Freud und uns hiermit erledigt. Vater und Sohn streiten um die Welt. Der Sohn, die kommende Generation, drängt den Vater aus der Welt in den Tod. Der