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In meinem Aufsatz über die ,Zwangsbefürchtung vom Tode des gleichgeschlechtlichen Eiternteils'1 habe ich darauf hingewiesen, daß auch der Tod des geliebten andersgeschlechtlichen Elternteils der Gegenstand ängstlicher Besorgnis sein kann. Dies soll nun näher beleuchtet werden. Wir kennen gut die Angst des Kindes, wenn es allein gelassen im Dunkeln liegt, und seine Angst auf der Straße, wenn die Mutter oder eine andere Begleitperson plötzlich nicht zu sehen ist.
Wir sind gewohnt anzunehmen, daß an der krankhaften Steigerung dieser Angst vor dem Einschlafen zärtliche Verwöhnung beim Schlafengehen, insbesondere bei überzärtlich veranlagten oder zur Überzärtlichkeit verführten Kindern, die Schuld trägt. Entbehrung des gewohnten pflegenden Llebesobjekts, Sehnsucht nach ihm haben sich in Angst verwandelt; die Gefahr, durch die Entfernung der Mutter das Liebesobjekt und den Schutz des Lebens zu verlieren, bedingt ja nach Freud die erste Angstsituation nach der Geburt. Wir können daher diesen Verwandlungsmechanismus für das kleine Kind unerörtert lassen. Für ein wissendes, reiferes Kind liegt es nahe anzunehmen, daß aus dem Aggressionstrieb stammende Phantasien das entfernte Objekt den phantasierten Gefahren ausgesetzt vorstellen lassen: das entfernte Liebesobjekt wird dadurch noch dringender ersehnt. Denn erst lebendig und gesund wiedergesehen, gibt es der Beruhigung Platz.
Dazu kommt, daß die Angst, gegenwärtig allein zu bleiben, durch die Angst, durch den Tod der geliebten Person — im Leben, für immer allein zu bleiben, wesentlich verschärft sein muß.
Daher finden wir häufig den Gedanken: falls der Vater — so sagt sich z. B. die Tochter — sterben sollte, will ich mit ihm sterben, Selbstmord begehen, mich in sein Grab stürzen.2 Von dieser Angst um den geliebten Elternteil auszusagen, daß sie zwangshaft sein könnte, berechtigen mich meine bisherigen Beobachtungen nicht. Solche Gedanken haben nicht nur neurotische Individuen, sondern auch solche, die trotz intensiv empfundener