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Die Anschauung, daß die Psychoanalyse bloß eine Darstellung der Sexualität bietet, ist auch unter Erziehern so verbreitet, daß die Versicherung nicht überflüssig ist, so sei es nie von ihrem Schöpfer ausgesprochen worden. Die Bedeutung als Lehre vom Unbewußten sollte man doch nicht auf so einfache Weise einzuschränken versuchen.
Vom Märchen sprechen, heißt seine Beziehung zum Unbewußten untersuchen, das in der Dichtung wie beim Kranken im neurotischen Symptom oder beim Gesunden im Traum ins Bewußtsein entstellt wiederkehrt oder in ihm aufleuchtet. Denn was das Denken der Menschen bewegt, was seine Leistung oder Dichtung anregt, sind nicht nur die Wahrnehmungen von außen, sondern stets auch von innen, die Regungen und Gewalten seiner Triebe. Sie sind es, die ihn in die Außenwelt treiben, die er dann lebhaft wahrnimmt, mit der er sich auseinandersetzen muß und von der er dann ein Stück in sich aufnimmt; an ihr formt sich der Trieb wie der Flußlauf am Gelände.
Wenn die älteren Märchenforscher im Märchen eine Verarbeitung der Stel lung des primitiven Menschen zur Natur sehen wollten, so haben sie damit nur das äußere Naturgeschehen, das in der Umwelt, nicht das in der Innenwelt gemeint, das sie nie sehen konnten; es fehlte das Instrument, die Psychoanalyse, und manchen wohl auch der Mut, dieses innere Naturgeschehen wahrzunehmen.