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Von den vielen Einwänden, die gegen die Psychoanalyse erhoben werden, soll hier einer herausgehoben werden, der auf den ersten Blick etwas Bestechendes zu haben scheint. Es handelt sich um die häufig geäußerte Befürchtung, die Analyse vernichte durch ihre Methode die „Naivität” des Menschen, der sich mit ihr abgibt und veranlasse ihn zu einer unfruchtbaren, unerwünschten, zum mindesten aber übertriebenen Selbstbeobachtung. Das Leben mit seinen Ansprüchen — so wird argumentiert — lasse dem gewöhnlichen Sterblichen gar keine Zeit dazu, sich mit sich selbst zu beschäftigen, zwinge ihn vielmehr dazu, sich mit einem Minimum von Reflexion mit den Forderungen seiner Umwelt auseinanderzusetzen, und das sei gut so, denn nur durch die Unmittelbarkeit der Einstellung zur Außenwelt sei ein ungebrochenes Handeln und Reagieren gewährleistet, sei außerdem naive Lebensfreude möglich. Umgekehrt werde derjenige, dem in einer oft länger als ein Jahr dauernden analytischen Behandlung so viel Zeit und Aufmerksamkeit zugewandt wird, nicht mehr imstande sein, mit der gleichen Selbstverständlichkeit zu leben und zu arbeiten. Er werde, verwöhnt durch die übermäßige Bewertung seiner Person, leicht dazu neigen, seinem Selbst grüblerisch nachzuhängen, und sich auf Schritt und Tritt in unfruchtbarer, argwöhnischer Kritik auf seinen eigenen Wegen nachspüren.
Wenn wir uns mit diesem Einwand auseinandersetzen wollen, so müssen wir uns zunächst darüber klar werden, was man unter Naivität versteht. Naivität im weiteren Sinne gilt oft schlechthin als die Eigenschaft, aus den eigenen Erfahrungen nicht die notwendigen Lehren zu ziehen. Diejenigen, die der Psychoanalyse die Gefährdung der Naivität Vorhalten, fassen jedoch — unter dem Eindruck des Schillerschen Gegensatzes Naiv-Sentimentalisch — einen anderen Zug ins Auge: Die Eigenschaft, mit direkter Affektbeteiligung auf die Außenwelt zu reagieren, im Gegensatz zum Sentimentalen, dessen Gefühlsaufwand dem Vorgang des eigenen Erlebens, nicht