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Zum Verständnis der Wirkung, welche das Bilderbuch auf das Kind ausübt, kann außer den Erkenntnissen der allgemeinen Psychologie die analytisch orientierte Pädagogik manches beitragen; manche Erkenntnisse werden bestätigt und erhalten eine tiefere oder erweiterte Bedeutung. Manchmal aber gelangt der analysierte Pädagoge zu einer neuen Einsicht oder zu einer anderen Ansicht. In den folgenden Ausführungen soll versucht werden, die Unterschiede in der Einstellung des Künstlers, des Pädagogen, der Eltern und der Kinder mit Hilfe analytischer Einsichten aufzuzeigen.
Der Künstler, welcher ein Bilderbuch malt und schreibt, kann mit der Freude der Kinder am Sehen und mit ihrer Fähigkeit rechnen, sich in ihren Phantasien in Gesehenes und Gehörtes einzuleben. Er kann voraussetzen, daß die Kinder ohne Absicht einer Wertung sein Bild betrachten, daß sie dankbar für alles Dargebotene sind, was ihre Begriffs weit bereichert und Phantasien auslöst, und auch daß sie ein primitives ästhetisches Empfinden besitzen. Der Künstler schließt von der Art, wie er seihst auf Bilder reagiert, auf das Kind und wünscht bei diesem eine bestimmte Bildwirkung zu erzielen, die seinem Geschmack und seinen Anschauungen entspricht. Wie weit er diese Wirkung erreicht, entzieht sich seinen Vermutungen und er gibt sich gerne, wie die meisten Erwachsenen, damit zufrieden, dem kleinen Kinde Freude bereitet zu haben.
Die Eltern oder Erzieher, welche ein bestimmtes Buch für das Kind auswählen, drücken gewöhnlich unbewußt durch ihre Wahl eine bestimmte Erziehungsah sicht aus, die durch die Art der Darbietung oft deutlich wird. Beim Vorlesen des Begleittextes kann z. B. ein Erzieher die moralisierende Strafandrohung hervorheben und betonen, ein anderer ihre Schärfe humorvoll vermindern und dadurch beim Kind eine gegensätzliche Wirkung erzielen.
Das Kind beschäftigt sich lebhaft mit jedem neuen Bilderbuch. Es setzt das Gesehene in Beziehung zu seinem Phantasieinhalt, ist sofort bereit zu deuten und ist dankbar für