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Nachdem man sich teils aus Erfahrung individueller Analysen, teils aus sehr eindrucksvollen ethnologischen Tatsachen darüber klarer geworden ist, in welchem Ausmaß Angst mit allem Geschlechtlichen verknüpft ist, kann es uns kaum mehr Wunder nehmen, daß der auffallende Vorgang der Menstruation zum Ausgangspunkt und Mittelpunkt angstbesetzter Phantasietätigkeit geworden ist. Und zwar für beide Geschlechter: die Tabus der Primitiven1 legen ein beredtes Zeugnis davon ab, wie die tiefe Angst des Mannes vor der Frau sich gerade um die Menstruation zentrierte, und jede weibliche Analyse zeigt uns, daß dieser blutige Vorgang in der Frau selbst grausame Phantasien und Impulse aktiver und passiver Art lebendig macht. Wenn auch unser Verständnis dieser Phantasien und ihrer Bedeutung für das weibliche Erleben noch unzureichend ist, so hat es doch bereits ein praktisch brauchbares Handwerkzeug geliefert, um die vielfachen psychischen und funktionellen Störungen der Menstruation therapeutisch beeinflussen zu können. Was bisher auffallender Weise vernachlässigt wurde, ist der Umstand, daß krankhafte Störungen ja nicht nur während der Menses selbst auftreten, sondern in vielleicht noch häufigerer, wenngleich weniger lärmender Weise vor den Tagen der Blutung. Die Störungen als solche dürften jedem bekannt sein: sie gehen der Hauptsache nach einher mit allen Graden der Verstimmung, von einem Alles-schwer-nehmen und einem Gefühl allgemeiner Unlust oder allgemeinen Gehemmtseins, einer Labilität des Selbstgefühls, bis zu ausgesprochenem Gedrücktsein und zu schwer depressiver Stimmung; alles das häufig untermischt mit Reizbarkeit oder Ängstlichkeit. Man hat den Eindruck, als ob diese Verstimmungen im allgemeinen dem normalen Erleben naher stünden als die eigentlich menstruellen Störungen. Sie finden sich häufig bei sonst gesunden Frauen, machen meist gar nicht den Eindruck