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Wenn man in einer Klasse von vierzehn- bis fünfzehnjährigen Knaben und Mädchen den Unterricht über den Menschen zu geben hat — in diesem Alter frühestens geschieht das in unseren Schulen — so wird der Lehrer kaum daran vorbeikommen, gelegentlich oder auch öfters Mädchen über die Erscheinung der Menstruation aufklären zu müssen, vorausgesetzt, daß die Schüler im Unterricht fühlen konnten, daß derartige Fragen nicht verpönt sind, sondern ebenfalls Gehör finden. Es muß allerdings bemerkt werden, daß es nicht immer nur vom Lehrer abhängt, ob die Klasse bis zu dem Punkt gelangt, wo einzelne es wagen, auch die Organe und Vorgänge des menschlichen Körpers sich erklären zu lassen, die ihre Aufmerksamkeit in diesem Alter am meisten in Anspruch nehmen. Denn daß das Verlangen, ihr Wissen über die sich in diesem Alter entfaltenden Sexualorgane zu bereichern, größer ist, als der Wissenstrieb von den übrigen Organen des menschlichen Körpers, ist immer wieder leicht zu beweisen. Vielen ist der menschenkundliche Unterricht ebenso unbeliebt wie irgend ein anderes Fach und wird in der späteren Erinnerung ebensowenig aus dem übrigen Unterricht herausfallen, eben weil er da aufhörte, wo das Hauptinteresse begann, weil er die Schüler da unbefriedigt ließ, wo sie schon bisher von den Erwachsenen im Unklaren gelassen wurden. Aus diesem Grunde haben sie ja auch keine Aufklärung erwartet und sind hoch erstaunt, wenn der Unterricht doch plötzlich einmal eine Möglichkeit dazu eröffnet.
Daß der Unterricht gerade vor der Besprechung der Sexualorgane Halt machen muß und gewöhnlich auch keine Aussicht eröffnet, eine solche Besprechung unter vier Augen nachzuholen, verstärkt das Tabu, das diese Dinge schon vorher für den Schüler so eingeschränkt hatte. Von diesem Gesichtspunkt aus wäre die Einführung des menschenkundlichen Unterrichts in den Schulen also kein Fortschritt, sondern ein Fehler, und man müßte diesen Unterricht verneinen, würden nicht andere Vorteile den Nachteil aufwiegen. Die Verstärk