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Ein Primarlehrer bringt mir im Aufträge seiner Schulbehörde eine 13jährige Schülerin, Klara, in die Erziehungsberatung.
Sie lügt notorisch und sie schwänzt die Schule, indem sie sich in den Wäldern herumtreibt. Oft verleitet sie auch ihren um ein Jahr jüngeren Bruder zum Schulschwänzen, sie nimmt ihn auf ihre Zigeunerfahrten mit. Dazu klagt der Lehrer, daß Klara in der Schule fast andauernd unaufmerksam sei: sie träumt. Sie sitzt da, hat einen starren Blick und einen süßlichen Gesichtsausdruck, und wenn sie nicht mit übergeschlagenen Beinen wippen würde, so könnte man glauben, sie wäre ein Holzbock, vernehmen wir. Ruft man sie auf, so erschrickt sie und weiß nicht zu erinnern, an was sie eben gedacht hat.
Es scheint meinem Kollegen nicht aufgefallen zu sein, daß das von ihm geschilderte Beinwippen eine Abart von Onanie bedeutet. Ich mache ihn nicht darauf aufmerksam, um ihn nicht zu beunruhigen — es wäre auch nichts damit gewonnen.
Auf meine Frage, wie Klara ihre Schulschwänzereien begründe, erhalte ich zur Antwort: da erzähle sie eben die saftigsten Lügen.
Beispiele: Sie habe in ein in der Nähe liegendes Städtchen gehen müssen, um besonders feine Lebensmittel zu holen; die Stiefmutter sei krank geworden, so daß Klara zum Arzte mußte; es sei ein vornehmer Onkel aus der Stadt hergereist gekommen, mit dem sie eine Ausfahrt machte; einmal sogar: der Vater habe einen Schlaganfall bekommen und man habe sie deshalb zuhause behalten.
Jeweilen ergab die nähere Untersuchung, daß an den Aussagen des Mädchens kein wahres Wort war, doch hatte sie beim Lügen ein derart ehrliches Gesicht gemacht, daß man annehmen müsse, sie glaube selber an ihre Mitteilungen.
Die Nachforschungen ergaben immer dasselbe: Klara hatte weder einen Onkel, der ein Auto besaß, noch vermochten ihre Eltern so feine Eßwaren zu kaufen. Die Stiefmutter erfreute sich einer robusten Gesundheit und der eher schmächtige als beleibte Vater neigte nicht zu Schlaganfällen. Die Schülerin ging am Morgen zur rechten Zeit von