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Gewöhnlich denkt und hört man mehr von der Ungeduld der Kinder, als von ihrer Geduld. Sicherlich macht die Ungeduld auf den Erwachsenen den größeren Eindruck, wohl, weil seine Eitelkeit und demzufolge auch seine Selbstsicherheit dem Kinde gegenüber darunter leiden würde, wenn er sich klar machte, daß das Kind im Umgang mit ihm eine Geduld übt, die nicht geringer ist als jene, welche Erwachsene in gütigem Verständnis dem Kinde entgegenbringen.
Ich befaßte mich in Gedanken schon einige Zeit mit diesem Thema, als mir zufällig der folgende Artikel im „Punch” (30. Juli 1930) mit dem Titel „Erwagsenenpsiechologie” in die Hände fiel. Ein kleines Mädchen schreibt für ihre Schulzeitung und beginnt folgendermaßen: „Psiechologie ist, was ein anderer Mensch denkt, das in einem ist. Die Haubtsache in bezug auf Erwagsenenpsiechologie ist ihre unersettliche Neugierde über uns Kinder und was wir uns denken”. Mit Hilfe ihres Onkels setzt sie jetzt mit verbesserter Orthographie und in einem schöneren Stile fort: „Es gibt zwei Meinungen bei den Kindern, wie weit diese Neugierde der Erwachsenen befriedigt weiden soll; manche vertreten die Meinung, daß sie krankhaften Ursprungs sei und deshalb energisch abgewiesen werden sollte; andere wieder sind der entgegengesetzten Meinung und trauen lieber ihrer Erfindungsgabe einiges zu, als daß sie sich der Gefahr aussetzen wollten, die Erwartungen der Lehrer und der Eltern zu enttäuschen. Es ist wohl am richtigsten, den Mittelweg einzuschlagen; man soll den neugierigen Erwachsenen nicht barsch abschrecken, indem man sagt, er oder sie sei zu alt, um das zu verstehen'. Versuche lieber herauszufinden, was man von dir erwartet, daß du denkst, und dann sage genug, um den Erwachsenen zufrieden zu stellen; aber hüte dich, ihm eine so hohe Meinung von deiner Intelligenz zu geben, daß es nachher zu unangenehm oder gar unmöglich wäre, ihr zu entsprechen.
Eine Eigentümlichkeit, die jedes Kind, das viel mit Erwachsenen zu tun hatte, beobachten mußte, ist ihre