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Zur Beantwortung der Frage, ob, wie und wann man bei der Erziehung die Strafe anwenden soll, hat die Psychoanalyse neue bedeutsame Gesichtspunkte gewonnen. Zum Teil entspringen sie jener Psychologie, die sich mit der Entwicklung des Ichs und seiner Anpassung an die Wirklichkeit befaßt, — und diese Gesichtspunkte sind einem weiteren Kreise von Menschen zugänglich; zu ihrem Verständnisse gelangt man durch den „gesunden Hausverstand”. Zum anderen Teil hingegen sind sie das Ergebnis einer tieferen psychologischen Forschung, die sich an die Vorgänge des Unbewußten und an die Trieblehre heranmacht. Die Aufstellungen auf diesem letzteren Forschungsgebiete scheinen jedoch vielfach geradezu gegen den „gesunden Hausverstand” zu verstoßen. Selbstverständlich kann man beide Forschungsgebiete nicht streng von einander scheiden.
Daß ein gut Teil der psychoanalytischen Aufstellungen gegen den sogenannten „gesunden Hausverstand” zu verstoßen scheinen, ist keine Zufälligkeit: Gewaltige unbewußte Widerstände versperren einer großen Menge von unbewußten psychischen Vorgängen den Zugang zum Bewußtsein. Diese gelten dann als „verdrängt”. Der „Verstand”, diese äußerst komplizierte Seelenfunktion, steht nun oft im Dienste der Widerstände, und so kommt es, daß mitunter gerade der „Verstand” das Verstehen erschwert.
Wenden wir uns zuerst der Entwicklung und Anpassung des Ichs an die Wirklichkeit zu. Das schwache, unbeholfene, unerfahrene, unwissende, völlig unorientierte Kind lernt ganz allmählich und mühsam, nach unzähligen, leidvollen Enttäuschungen, sich in der bösen Welt zurechtzufinden. Bei den Eltern (Pflegepersonen) fühlt es sich gut geborgen, auf sie muß es sich vollkommen verlassen, weil es ganz auf sie angewiesen ist. Ihre Abwesenheit wird als eine höchst gefährliche Situation empfunden. Die Macht der Eltern ist ihm Allmacht, ihr Wissen Allwissenheit, und so fühlt es sich bei ihnen sicher aufgehoben. Andererseits schätzt sich das Kind selbst sehr hoch ein, es ist im hohen Maße narzi