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Eine Aufgabe jeder Erziehung ist es, heim Kinde Verzicht auf Triebbefriedigung und die Erfüllung von Forderungen, denen es nur ungerne nachkommt, zu erzielen. Diese notwendige Anpassung wird im wesentlichen durch zwei Mittel, die schon seit uralter Zeit angewendet werden, — in
besserer oder schlechterer Weise — erreicht: Strafe und Belohnung, Sie kommen in verschiedenen Modifikationen und Abstufungen zur Anwendung, die Strafe als körperliche Züchtigung, als Entziehung von etwas Lustvollem, als Liebesentzug, als Drohung, als Tadel, die Belohnung als Liebkosung, Geschenk, Lob usw. Nach der allgemeinen Auffassung ist die Strafe ein wirksameres Erziehungsmittel als die Belohnung.
Mit der Erklärung des psychischen Vorganges, durch den die Strafe ihre Wirkung erzielt, hat man sich in voranalytischen Zeiten wenig befaßt. Die übliche Annahme war, daß das Kind die Strafe fürchtet und brav wird, um eine Wiederholung zu vermeiden, daß die Strafe also durch Abschreckung wirkt. Dieser Meinung widerspricht Gro ddeck (12). Er meint, das Kind „lechze” nach Strafe aus Masochismus; nach erhaltener Strafe sei es brav, zufrieden, zuweilen zärtlich, weil sein Masochismus befriedigt sei. Diese Ansicht wird durch Alexander (2) ergänzt1. Er weist auch auf die Rolle des Masochismus hin, legt aber das Hauptgewicht auf die Befriedigung des Schuldgefühls. Häufig ermöglicht die Strafe die Sünde, indem das Kind durch die Strafe das Recht auf Schlimmheit erkaufe. Die Auffassung von Melanie Klein (13) befaßt sich weniger mit der spezifischen Wirkung der Strafe, sondern erklärt die übermäßige Reaktion des Kindes darauf. Sie meint, daß die der geringen Härte der Strafe oft nicht adäquate Wirkung der Strafe dadurch zustande kommt, daß durch die aktuelle Versagung die früheren, ersten Versagungen, vor allem die der Entwöhnung und der Reinlichkeitsgewöhnung aktiviert werden.
Wenn wir zunächst die vierte Ansicht, die s