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Die Erotik der Vorpubertät erfährt eine gewisse Beleuchtung durch die eigenen schriftlichen Äußerungen des Kindes und zwar besonders da, wo es sich unbeachtet und unkontrolliert wähnt. Es handelt sich nicht um Schriften, Zeichnungen, Malereien, die es in Schule oder Familie zustande bringt, sondern um Dokumente, die ungehemmt schriftlich fixiert sind an Orten, die abseits liegen, an Straßen, Mauern, Zäunen oder Abortanlagen. Kreide, Buntstifte, Gipsstückchen, Mauerwerk, Bretter sind die Materialien für diese aufschlußreichen Übungen.
Wer aufmerksam Häuserfronten oder Bretterspaliere der Straßen mustert, kann sie in großer Zahl finden und überzeugt sich bald, daß der sexuelle Faktor in diesen Darstellungen überwiegt Es ist nicht immer so, daß nur Narrenhände Tisch und Wände beschmieren. Unmündige haben mit den Narren eine gewisse Hemmungslosigkeit gemein, und wenn unsere Kinder die Kreide ansetzen, um eine Mauer zu bekritzeln, so stellen auch sie ihre Motorik in den Dienst einer unbewußten Triebmacht, die nach einem Ausdruck, einer Betätigung sucht. Was sie dann schreiben und zeichnen, haben wir als Äußerung jener elementaren Sexualität aufzufassen, die im Kinde schon ihr Wesen treibt, als eine Handlung, die zu seiner Sexualbetätigung gehört, die in die „Kunst” flüchtete und ihm eine gewisse erotische Sensation vermittelt. Es ist nicht bloßer Nachahmungstrieb, der sich da geltend macht, denn dazu hätte es Vorlagen in Hülle und Fülle. Das wesentliche und charakteristische ist vielmehr, daß es aus vielen Vorbildern gerade das Obszöne herausgreift und variiert. Das Kind schaut dann den es erregenden, unbewußt leitenden Affekt in einem Symbol durch seine Hand gestaltet vor sich, fühlt sich als Schöpfer dessen, was es heimlich bewegt,