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Der russische Film „Der Weg ins Leben” ist historische Filmreportage nach den eigenen Worten seines Regisseurs, und wir haben keinen Anlaß an der Richtigkeit seiner Aussage zu zweifeln. Im Gegenteil, wir wissen alle, daß die vagierenden Kindertruppen für die Sowjetunion ein schwierig zu lösendes Problein waren. Wir bekommen vor Augen geführt, daß es in beispielgebender Weise gelöst wurde.
Vagierende Kinder und Jugendliche in einer Anzahl, die die öffentliche Sicherheit gefährdet, sind eine Erscheinung, die den langen Krieg, die Hungersnöte, den Umsturz, den Bürgerkrieg, die Weite und die Primitivität des russischen Reiches zur Voraussetzung hat. Eine derartige Loslösung von der sozialen Einordnung ist unter den bei uns herrschenden Verhältnissen nur für den Einzelnen möglich, für Tausende aber ausgeschlossen. Trotzdem bestehen zwischen dem Vaganten-Problem, wie es sich für Bußland ergab, und dem Verwahrlosten-Problem unter unseren Kulturbedingungen Parallelen, es besteht keine Verschiedenheit grundsätzlicher Natur, sondern nur in der Zahl und Intensität der Fälle.
Auch die Lösungsversuche sind hier und dort grundsätzlich die gleichen. Was August Aichhorn mit den Aggressiven in Oberhollabrunn und St. Andrä getan hat, oder Siegfried Bernfeld im Kinderheim Baumgarten mit galizischen Flüchtlingskindern, waren ähnliche Lösungsversuche an ähnlichem Menschenmaterial. Daß das Kinderheim Baumgarten und die von Aichhorn geleiteten Anstalten Kinder beiderlei Geschlechtes aufnahmen, während die im Film gezeigte Kinderkommune bloß von Knaben bewohnt wird, ist wichtig. Die russische Kinderkommune, die uns der Film zeigt, beherbergt überhaupt kein weibliches Wesen. Bei verschiedenen Anlässen tritt deutlich eine Sexualablehnung gegenüber dem Verkehr mit dem andern Geschlecht zutage, sie ist vielleicht eine spezifische Erscheinung des heutigen Rußland. Das völlige Verschweigen auto- oder homoerotisch gerichteter Bedürfnisse und Strebungen bei Knaben, die, wie ausdrücklich erwähnt wird