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Die Leser dieser Zeitschrift werden sich des kleinen Fred entsinnen, dessen Symptom — Nachtwandeln und andere Anzeichen einer unnormal gesteigerten Motorik, eine Phobie — Graber in seinem Aufsalz „Aus der Analyse eines nachtwandelnden Knaben” im vorigen IV. Jahrgang (Heft 1 und 2/3) veröffentlicht hat. Die Arbeit erscheint nun zur selbständigen Schrift erweitert, und ergänzt in einem ausgestalteten zweiten Teil vor allem die Gestaltung der Bruderrivalität und des Kastrationskomplexcs durch eine Reihe von Einzelzügen aus der Analyse. Fred und Walter — Abel und Kain — stehen sich als feindliche Brüder gegenüber, wie sie in der Literatur so oft geschildert worden sind. Beide sind inzestuös an die Mutter fixiert, aber sie erleben den Konflikt radikal verschieden. Fred, der kleine Nachtwandler, hat seine inzestuöse Mutterbindnng und seine aggressiven Strebungen gegen den Vater schon früh verdrängt und glitt unter der Einwirkung des passiv erlebten Knstrationskomplexes in eine starke Vaterfixierung hinein. Sein Bruder Walter, der „Kain”, war demgegenüber aktiv-aggressiv eingestellt, der „Kastrator” par excellence. Interessant aus der Katamnese die von beiden Brüdern entsprechend verschieden erlebte Schockwirkung einer gleichzeitig vorgenommenen Phimoseoperation, die von Fred ruhig hingenommen, von Walter mit Wutanfällen beantwortet wurde. Das Büchlein ist sehr illustrativ für das Verständnis der „Spezialformen” des Ödipuskomplexes beim Knaben und für die Eifersuchtsbindimg unter Geschwistern. Seine Stärke liegt in der lebendigen und anschaulichen Wiedergabe der Beobachtungen aus einer glücklich durchgeführten Analyse.
Schottlaender