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Bei den Kulturvölkern ist das Kinderzimmer eines der geheimnisvollsten Dinge. Es hat seine eigene Sprache, seine besonderen Sitten und seine ganz speziellen Probleme. Dies ist auch nicht zu verwundern. Ist doch das Kinderzimmer recht eigentlich der Treffpunkt der Urzeit und der Zivilisation. Hier geschieht Tag für Tag das Wunder der Umwandlung des ungebändigten Urmenschen in ein Kulturwesen. Weniger verständlich ist es hingegen, daß sowohl das Kind wie auch die mitwirkenden Erwachsenen ihre Tätigkeit im Kinderzimmer mit Verschämtheit behandeln und sie so bald als möglich in Vergessenheit geraten lassen. Beinahe so, wie z. B. Emporkömmlinge gern jene Zeit vergessen, da sie noch nicht mit Messer und Gabel umzugehen verstanden. Diesen Vergleich kann man noch weiter fortsetzen. Ebenso wie die zu einer höheren gesellschaftlichen Stufe Gelangten gerne glauben machen, sie wären immer vornehm gewesen, so möchte jeder gerne denken, daß er schon in der Wiege ein Kulturwesen war. Vielleicht liegt hier die psychologische Ursache dafür, daß es die Menschen viel früher zu interessieren anfing, was sie wohl an Kulturanlagen von ihren Vorfahren geerbt haben konnten, als die Frage, wie sie selbst beschaffen wären, mit anderen Worten: daß die Vererbungslehre der Psychologie zuvorgekommen ist. Wenn es sicher ist, daß die Kultureigenschaften von Anfang an in uns vorhanden sind, so können wir leichter über die kurze Übergangszeit hinweggleiten, in der wir alle Wilde waren. daß aber auch in der Entwicklung der Wissenschaft Gefühle, in diesem Falle Eitelkeitsmomente eine Rolle spielen, dafür haben wir ein gutes Beispiel, in der Geschichte des Darwinismus.