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Der Mensch kann seine Jugendeindrücke nicht los werden, und dieses geht so weit, daß selbst mangelhafte Dinge, woran er sich in solchen Jahren gewöhnt und in deren Umgebung er jene glückliche Zeit gelebt hat, ihm auch später in dem Grade wert bleiben, daß er darüber wie verblendet ist und er das Fehlerhafte daran nicht einsieht.
Überhaupt mit einer erwachsenen Generation ist nie viel zu machen, in körperlichen wie in geistigen, in Dingen des Geschmacks wie des Charakters; seid aber klug und fangt in den Schulen an, und es wird gehen.
Es müßte schlimm zugehen, wenn ein Buch unmoralischer wirken sollte als das Leben selber, das täglich der skandalösen Szenen im Überfluß, wo nicht vor unseren Augen, doch vor unseren Ohren entwickelt. Selbst hei Kindern braucht man wegen der Wirkung eines Theaterstückes oder eines Buches keineswegs so ängstlich zu sein. Das tägliche Leben ist, wie gesagt, lehrreicher, als das wirksamste Buch … Die Kinder haben, wie die Hunde, einen so scharfen und feinen Geruch, daß sie alles entdecken und auswittern, und das Schlimme vor allem anderen.
Goethe erzählte von einem Knaben, der sich über einen begangenen kleinen Fehler nicht habe beruhigen können.
Es war mir nicht lieb, dieses zu bemerken, sagte er, denn es zeugt von einem zu zarten Gewissen, welches das eigene moralische Selbst so hoch schätzt, daß es ihm nichts verzeihen will. Ein solches Gewissen macht hypochondrische Menschen, wenn es nicht durch eine große Tätigkeit balanciert wird.
Goethe vergleicht die Unarten der Kinder den Stengelblättern einer Pflanze, die nach und nach von selber abfallen, und wobei man es nicht so genau und streng zu nehmen brauche.
Es geht bei uns alles dahin, die liebe Jugend frühzeitig zahm zu machen und alle Natur, alle Originalität und alle Wildheit auszutreiben, so daß am Ende nichts übrig bleibt als der Philister.