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Erziehung und Unterricht unserer Zeit beruhen auf der Beziehung des einzelnen Zöglings zum einzelnen Erzieher. Die natürlichen Gruppenbildüngen der Kinder bekommen zwar gelegentlich praktisch-erzieherische Bedeutung, aber nur soweit, als sie in den Dienst der Erziehung jedes einzelnen Kindes gesteUt werden. Man fördert den geselligen Verkehr, um dadurch eine günstigere Entwicklung
eines Knaben oder Mädchens zu erreichen, überläßt ein Kind einer Gruppe in der Hoffnung, daß diese ein Erziehungsresultat fördere das in der „idealen” Einzelerziehung nicht erreichbar war, oder man gruppiert die Kinder, um sie aus Not an Erziehern dann wie ein einzelnes Erziehungsobjekt zu behandeln und sie nach Erreichung des Ziels in soviel Einzelindividuen zu teilen, als anfangs vorhanden waren. Weil die Gruppe in der praktischen Erziehung nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck ist, konnten die bisherigen psychologischen Untersuchungen solcher sozialen Erscheinungen nicht mehr als Beschreibung der Wirkung auf das Einzelindividuum liefern.
Als Motive für die natürliche Gesellung werden ein angeborener Gesellungstrieb und Nachahmung angegeben, für Kinder der Vorpubertät auch realpraktische Motive, wie Aussicht auf erfolgreiche Konkurrenz. Diese Angaben über die Motive sind nicht nur einseitig und unzulänglich, weil der Beobachter an ein unzulängliches Material einseitig herantritt. Es liegt auch an den Schwierigkeiten jedes solchen Materials und an der Methode es zu registrieren, an der Art, wie sich solche Kindergemeinschaften bilden und wieder lösen, und wohl zum Teil auch an dem uns durch Tradition und gesellschaftlichen Brauch innewohnenden Glauben, Kinder gehörten zur Familie. Es wäre aber auch ganz falsch, die Vorstellungen von Gesellung aus dem Leben der Gesellschaften der Erwachsenen auf die Kindheit zu übertragen; im Grunde dürfen wir aber hoffen, mehr über die Gesellschaftshildüngen der Kindheit und Jugend aussagen