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Aus dem Buch Dr. Hermann Nunbergs „Allgemeine Neurosenlehre auf psychoanalytischer Grundlage” (Verlag Hans Huber, Bern 1932) bringen wir einen Absatz zum Abdruck, der die Wichtigkeit des Kinderspieles für die Psychoanalyse des Erwachsenen vor Augen führt. Die Redaktion.
Versuchen wir zuerst zu verstehen, welche Rolle das Unbewußte in der Neurose spielt. Bleiben wir bei unserem Beispiele, so fällt es auf, daß das für die Patientin stark affektbetonte, höchst unangenehme Erlebnis augenblicklich vergessen, an seine Stelle aber ein Symptom, das Erbrechen, getreten war. Das Symptom ist also ein Ersatz für ein wichtiges Erlebnis, das unbewußt geworden ist. Wir stießen auf eine Lücke der Erinnerung an der Stelle, wo etwas Wichtiges im Leben der Patientin vorgefallen war. Derartigen Erinnerungslücken begegnen wir bei jedem Neurotiker. Sie werden Amnesien genannt und reichen tief in die erste Kindheit hinein. Daneben gibt es sonderbare, des Zusammenhanges entbehrende Einzelerinnerungen, die hie und da auftauchen. Zunächst weiß man nicht, warum diese lockeren, scheinbar bedeutungslosen Erinnerungen der Vergessenheit entronnen sind. Bei der Analyse überzeugt man sich jedoch, daß sich hinter ihnen wichtige, unbewußte Erlebnisse, häufig aus der frühesten Kindheit, verbergen. Deshalb hat Freud sie Deckerinnerungen genannt. An einem Beispiele werden wir am ehesten ihre Bedeutsamkeit erkennen.
In den ersten Stunden der Analyse erzählte mir eine Patientin von einem sonderbaren Spiele, das sie zwischen ihrem fünften und sechsten Lebensjahre zu treiben pflegte. Um diese Zeit hatte sie ein jüngeres Schwesterchen bekommen. Wenn sie sich nun von niemandem beobachtet fühlte, zerrte sie es aus dem Kinderwagen hervor, bis es mit dem Köpfchen vor den Vorhängen erschien, um es im nächsten Augenblicke wieder in die Tiefe des Wagens versinken zu lassen, und wiederholte dieses Spiel mit unermüdlicher Beharrlichkeit. Viele Monate hindurch konnte man mit dieser Erinnerung nichts anfangen. Langsam st