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Fast bei jedem Kind zeigen sich neurotische Symptome. In manchen Fällen bleiben diese bis in das Erwachsenenalter bestehen, in anderen Fällen sehwinden sie im Laufe der Entwicklung scheinbar spurlos. Wie kommt dieses Schwinden von neurotischen Symptomen zustande? Am häufigsten ist wohl, daß an Stelle des alten Symptoms ein anderes — scheinbar ganz verschiedenes — auftritt dieser Zusammenhang aber ohne Analyse meist nicht erkannt wird. Ein kleines Mädchen konnte bis zu fünf Jahren den Stuhlgang nicht beherrschen; mit sechs Jahren fing sie an pathologisch zu lügen. Die Analyse ergab, daß im Sichbeschmutzen und im Lügen die gleichen Phantasien zum Ausdruck kamen. E. Terry1 berichtet von einem Jungen, der aufhörte zu stottern, aber anfing zu stehlen. Schwerer ist der Zusammenhang festzustellen, wenn es an Stelle des Symptoms zu einer Charakteränderung kommt: z. B. Angst aufhört und ein überaggressives Verhalten auftritt.
Freud2 hebt hervor, daß häufig eine Neurose schwindet, wenn die Selbstbestrafungstendenzen des Patienten in äußerem Unglück Befriedigung finden. Ich weiß von jemanden, der an schweren Depressionen litt und deshalb einen Selbstmordversuch beging. Er erschoß sich aber nicht, sondern durchschoß den Sehnerv. Nach seiner Erblindung lebte er aber ganz zufrieden und viel glücklicher als früher.
Das Symptom dient zur Abwehr der Angst und kann also aufhören, wenn die Angst verringert wird. Dies ist das Ziel der psychoanalytischen Therapie. Dieser Vorgang kann aber gelegentlich auch ohne Behandlung erfolgen. Ein Mädchen verbrachte im Alter von neun Jahren einige Wochen mit einem Jungen, der sehr gut zu ihr war. Dieses Beisammensein bewirkte eine günstige Charakterveränderung und ein Schwinden ihrer zwangsneurotischen und depressiven Symptome. Für das Mädchen, das in der ersten Kindheit ohne Vater war, bedeutete dieser Junge die Verwirklichung ihrer Phantasien vom „guten” Vater, und dieser Umstand bewirkte eine nachhaltige Verringerung ihrer Angst3.
Oft wi