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Wenn man von Sexualität bei Kindern, von Kinderliebe und dergleichen spricht, gerät man leicht in Gefahr mißverstanden zu werden. Viele Menschen besonders Mütter „vom alten Schlag” fühlen sich durch solche Feststellungen beleidigt und lehnen es zumindest für ihre eigenen Sproßlinge ab, daß man sie derartiger „Schweinereien” verdächtige. Der Fehler liegt vor allem an der Auffassung, natürliche Vorgänge als „unanständig” anzusehen. Aber das Mißverständnis hat auch eine andere Seite: die Überschätzung und Vergröberung der Tatsachen und oft viel zu weit gehende Schlußfolgerungen. Diese falsche Einstellung steigert sich dann meist zu heftigen Klagen über die „heutige Zeit”, in der die Kinder angeblich ganz anders sind als früher. Für die Schulkinder höherer Jahrgänge und für die schulentlassenen Jugendlichen trifft es ja zum Teil zu, daß die Nachwirkungen des Krieges und die außergewöhnlichen wirtschaftlichen Zustände der Krisenepoche die Entwicklung der Heranwachsenden stark beeinflussen und eine „neue Jugend” geformt haben, die wissender, materieller, früherreif ist als die Vorkriegsgeneration. Aber die Kleinen sind durchaus nicht von Grund aus „anders”, wir sehen sie nur anders und besser, richtiger, weil wir heute manches von ihrem Trieb- und Seelenleben wissen, was uns früher verborgen war. Das danken wir der modernen Forschung und der Erziehung, die neue Wege eingeschlagen und das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern auf eine viel vertrauensvollere Basis gestellt hat. Es gibt weniger Geheimnisse zwischen Führern und Geführten und die Kinder trauen sich zu sagen, was sie bewegt und berührt.
Die Beobachtungen, die hier zusammengetragen wurden, um die Frage der „Kinderliebe” nicht so sehr vom wissenschaftlichen Standpunkt als direkt vom Leben und von der Erfahrung aus zu beleuchten, beziehen sich, da mir anderes Material leider nicht zur Verfügung stand, ausschließlich auf „gepflegte” Kinder. Das ist wichtig vorauszuschicken, da die ungepflegten Kinder unter ganz and