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Die Erziehungsberatung wird in der Regel von Eltern dann aufgesucht, wenn sie selbst Schwierigkeiten in der Erziehung ihrer Kinder nicht mehr überwinden können; in seltenen Fäallen, wenn sie aus besonderer Sorge um die Entwicklung des Kindes ängstlich nach Richtlinien suchen. Die prophylaktische Bedeutung der Erziehungsberatung wird noch sehr wenig erkannt.
Der Name Erziehungsberatung deckt den Aufgabenkreis dieser Einrichtung nicht vollständig; zumeist reicht Rat allein nicht aus; es muß auch Erziehungshilfe geleistet und wenn wirtschaftliche und soziale Notstände den Erziehungsnotstand mitbedingen, mannigfache andere Unterstützung geboten werden.
Eine „psychoanalytische Erziehungsberatung” könnte sich gewiß auf besondere Fälle beschränken: nur jene Erziehungsschwierigkeiten behandeln, die in abnormen psychischen Situationen und Konstellationen von Kind und Erziehungspersonen (Eltern) begründet sind und nur eingreifen, wenn der Erziehungsnotstand durch eine psychoanalytische Behandlung zu beheben ist. Sie könnte dann allerdings — wenn genügend Analytiker zur Mitarbeit bereit stünden — für sich allein bestehen, würde aber in diesem Falle nur einen ganz geringen Bruchteil des Erfordernisses decken. Soll eine psychoanalytische Erziehungsberatung aber auch all den Ansprüchen genügen, die an die Erziehungsberatung überhaupt gestellt werden, dann kann sie nicht für sich isoliert bleiben, sondern wird sich in eine umfassende Organisation der privaten oder öffentlichen Jugendfürsorge organisch einbauen müssen.
Im ersten Fall bedarf der Psychoanalytiker als Erziehungsberater keiner wesentlichen pädagogischen Schulung; andernfalls aber kommt er ohne gründliche Kenntnisse und Erfahrung als Erzieher, Jugendfürsorger und ausgebildeter Wohlfahrtspfleger nicht aus.