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Im allgemeinen darf man annehmen, daß die Darstellung einer Kinderanalyse nicht auf so große Schwierigkeiten stößt, wie die einer Erwachsenenanalyse. Denn das analytische Material ist leichter zu gruppieren und die Zusammenhänge sind klarer darzustellen, da man doch die Lebensgeschichte eines Kindes, seine Erlebnisse und die Beeinflussungen, denen es ausgesetzt ist, viel eher überschauen kann; dazu kommt, daß man nicht zu weitgehenden Entstellungen und Auslassungen aus Gründen der Diskretion gezwungen ist wie beim Erwachsenen. Für die folgende Darstellung aber gilt diese Erleichterung keineswegs. Und das begründet sich im Wesen des kleinen Patienten, den ich Herbert nennen will, und in der Art seiner Erkrankung. Schon die Tatsache, daß ein solcher Fall erstmalig in seine Tiefen hinein beschrieben wird, bedingt Schwierigkeiten sowohl für den Darsteller wie für den Leser. Denn in der mir zugänglichen einschlägigen Literatur, die nur von Nichtanalytikern stammt, da ein derartiger Fall zur analytischen Beobachtung bislang nicht gekommen ist, wird jedes tiefere Eingehen auf das charakteristische Wesen eines solchen Falles vermißt1.
Die Art der Erkrankung des kleinen Patienten in Verbindung mit seinem sonderbaren Wesen, das z. T. von seiner Krankheit nicht zu trennen ist, unterscheidet den Fall einschneidend von allen bisher bekannten Fällen der Kinderneurose. Die theoretischen Probleme, die sich um diese spezifische Erkrankung des kleinen Herbert gruppieren, behalte ich mir für eine gesonderte Abhandlung vor. Es wird freilich nicht vermieden werden können, für das Verständnis notwendige Stücke der Theorie des Falles auch in die Krankengeschichte, die ich hier wiedergeben will, einzubetten.