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Das Buch Dorers enthält keine Beiträge zur Frage der psychoanalytischen Pädagogik, wohl aber eine Fülle von Material über die historische Entwicklung der heutigen Psychologie unter dem Einfluß der Psychologen, Philosophen und Psychiater des 19. Jahrhunderts. Besonders breiten Raum nimmt die Kennzeichnung der Herbart schen Lehre ein, deren starke Nachwirkung noch in der heutigen Pädagogik zutage tritt. Die Autorin sieht einen engen Zusammenhang zwischen Freud und Herbart in ihrer gemeinsamen Denkstruktur als Forscher, charakterisiert aber auch alle andern psychologischen Strömungen des 19. Jahrhunderts, soweit historisch Beziehungen zu den Anfängen der Freudschen Forschung nachweisbar sind.
Hauptfragen Dorers sind, ob eine historische Kritik die Behauptung stütze, daß Freud eine historisch ganz unabhängige Lehre aufgebaut habe, und ob Freud die Grenzen seiner Kompetenz eingehalten habe. Beides verneint Dorer. Die Autorin irrt, wenn sie mit ihrer Kritik der psychologischen Seite der Psychoanalyse die Freud sche Lehre als Ganzes zu erfassen glaubt. Wenn sie meint, daß aus der zeitgeschichtlichen Abhängigkeit der Psychoanalyse ihre Einseitigkeit resultiere, so muß dem gegenüber betont werden, daß ihre rein psychologische Wertung der psychoanalytischen Begriffe und Theorien eine weit stärkere Einseitigkeit ergeben muß, denn die Psychoanalyse ist eine praktische lebendige Disziplin und Heilmetho de, die sich täglich der Wirklichkeit anpassen muß und in fließender Entwicklung